Wird 2017 wieder Krisenjahr? :
„Für den Historiker ist es besser, wenn es funkt und kracht“

Lesezeit: 11 Min.
Flüchtlingskrise vor 100 Jahren auf der Westbalkan-Route: Vor griechischen und serbischen Truppen geflohene bulgarische Männer und Jungen im September 1913.
Für viele Zeitgenossen war schon das Drei-Krisen-Jahr 2016 ein annus horribilis. Der Historiker Andreas Rödder im FAZ.NET-Gespräch zur Frage, ob 2017 noch beunruhigender wird und der Blick zurück in die krisenhafte Kaiserzeit uns beruhigen kann.
Herr Rödder, was hat Sie 2016 überrascht?

Die Offenheit der Zukunft hat schneller zugeschlagen als ich erwartet hätte. Das Entwicklungsmuster der EU, die „ever closer union“, schien wie in Blei gegossen; heute ist es beinahe zur Lachnummer geworden. Dasselbe gilt für das, was ich 2015 in meinem Buch „21.0“ als  ideologische Überspitzungen der „Kultur der Inklusion“ bezeichnet habe. Damals ging ich davon aus, dass es sich um einen stabilen Trend handelt; binnen eines Jahres ist es mehrheitsfähig geworden, über „politische Korrektheit“ zu spotten. Und während wir vor einem Jahr fast ausschließlich von der Flüchtlingskrise gesprochen haben, hatte den Brexit und Trumps Wahlsieg außer ein paar Mavericks, die auf die ganz hohen Einsätze zielen, niemand auf der Rechnung.

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