https://www.faz.net/-gpf-6x0hk

Wirbel um „Nord-Süd-Dialog“ : Norden, Süden und die ganze Welt

Eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft: Wulff, die Energiemanager Villis (EnBW) und Brinker (EWE), Oettinger und Geerkens (von links) Bild: dpa

Gegen Christian Wulffs ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker und den „Nord-Süd-Dialog“-Veranstalter Manfred Schmidt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Es geht um Bestechung.

          8 Min.

          „Nord-Süd-Dialog“ im Terminal C des Flughafens Hannover, Ende 2009. Faye Dunaway, Oscar-Preisträgerin, Jahrgang 1941, glänzte in einer gelben Capejacke zu roten Handschuhen. Christian Wulff, Ministerpräsident von Niedersachsen, erschien mit seiner zweiten Frau Bettina, Jahrgang 1973, Günther Oettinger, MP von Baden-Württemberg, mit Freundin Friederike Beyer, Jahrgang 1972. Faye Dunaway sagte: „Es geht immer darum, zusammenzuarbeiten.“ Sie sprach über „Dinge, mit denen wir etwas zurückgeben können der Gesellschaft, ja der ganzen Welt“. Schöner hätte man es nicht auf den Punkt bringen können, lobte die Moderatorin des Privatsenders, der die Riesenparty drei Stunden lang übertrug. Über die Website der Niedersächsischen Staatskanzlei konnte zugucken, wer nicht dabei sein durfte.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Christian Wulff bekundete „helle Freude“, dass bei dieser dritten Party wieder mehr Gäste waren, insgesamt 950, „die sich hier in Form eines Netzwerks untereinander austauschen“. Günther Oettinger fand die Idee, dass Nord und Süd sich begegnen, „nicht nur wichtig, sondern auch kurzweilig“. Beide Ministerpräsidenten traten mit ihren Begleiterinnen zum Tischfußball-Duell an. Bettina Wulff bediente den Torwart, Christian Wulff spielte ein aggressives Mittelfeld, auf der niedersächsischen Seite hatte Veronica Ferres, Maschmeyers Freundin, den Sturm übernommen. Sie lochte Wulffs Vorlagen ein. Scorpions-Sänger Klaus Meine feuerte von der Torauslinie an. Die Niedersachsen spielten die Schwaben an die Wand, und trotzdem waren alle glücklich. Vor allem wohl zwei Männer, die viel Herzblut in die Party gesteckt hatten: Olaf Glaeseker, Wulffs Sprecher und Vertrauter, und Manfred Schmidt, Event-Manager und Veranstalter der Sause.

          „Ich habe ihm viel zu verdanken“

          Es war einmal. Am Donnerstagmorgen der letzten Woche klingelten Beamte des Landeskriminalamts an der Tür von Olaf Glaesekers Einfamilienhaus in Wunstorf bei Hannover. Sie präsentierten einen Durchsuchungsbefehl, beschlagnahmten Akten und Datenträger, von denen sie sich Hinweise zu den privaten und geschäftlichen Verbindungen zwischen ihm und Schmidt erhoffen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hegt den Verdacht, dass Glaeseker den Nord-Süd-Dialog zwischen 2007 und 2009 „gefällig gefördert“ habe. Als Gegenleistung soll er mehrfach in Feriendomizilen von Schmidt umsonst Urlaub gemacht haben. Außerdem soll Glaeseker mit Schmidts VIP-Karte von Air Berlin mehrere Gratisflüge gemacht haben, allein fünf im vergangenen Jahr. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit vor. Auch die Manfred Schmidt Media GmbH in Zug wurde am Donnerstag durchsucht.

          Unter Verdacht: Manfred Schmidt, Event-Manager und Veranstalter des „Nord-Süd-Dialogs“, und Olaf Glaeseker, Wulffs ehemaliger Sprecher und Vertrauter

          Oberstaatsanwalt Lendeckel legt Wert auf die Feststellung, dass seine Behörde „ohne jegliche Anweisungen“ gehandelt habe. Man habe die Berichterstattung über Glaeseker verfolgt und sich beraten. Dann sei relativ rasch der Eindruck entstanden, dass ein Anfangsverdacht begründet sei. Dennoch musste bis zum Donnerstag gewartet werden, denn wegen der Untersuchungen von Schmidts Räumlichkeiten mussten die Schweizer Behörden eingeschaltet werden. Kontakt zu Glaeseker hatte die Staatsanwaltschaft nicht, bevor sie am Donnerstag bei ihm klingelte. Dieses Vorgehen sei „kriminaltechnischer Standard“, sagt Lendeckel.

          Weitere Themen

          Hinknien gegen Polizeigewalt und Rassismus Video-Seite öffnen

          „Take a knee“ : Hinknien gegen Polizeigewalt und Rassismus

          „Take a knee“: Hinknien wird zum Symbol der Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in Amerika. Die Geste wurde durch den früheren Football-Star Colin Kaepernick zu einem Symbol für den Kampf gegen Rassismus.

          Topmeldungen

          TUI hatte in mehreren Schritten 61 Maschinen der 737-Max-Reihe bestellt, von denen 15 infolge von Flugverboten am Boden bleiben mussten.

          F.A.Z. exklusiv : TUI und Boeing einigen sich auf Schadenersatz

          Nicht nur die Corona-Pandemie macht TUI zu schaffen – auch das teure Debakel um die 737 Max lastete bis zuletzt auf dem Reisekonzern. Nun aber gibt es zumindest eine gute Nachricht in der Krise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.