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Wirbel um „Nord-Süd-Dialog“ : Norden, Süden und die ganze Welt

Zweifel an dieser Darstellung wecken auch die Sponsoren. „Herr Glaeseker hat uns 2007 angerufen und uns auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, den Nord-Süd-Dialog zu sponsern“, sagt Mario Köpers, Unternehmenssprecher des hannoverschen Touristikkonzerns TUI. Anschließend sei dem Unternehmen eine Präsentation der Veranstaltung zugegangen. Daraufhin steuerte es 2007 und 2008 jeweils 25.000 Euro bei; 2009 beteiligte es sich mit einer „Robinson-Bar“. Beim Versicherungskonzern Talanx, ebenfalls aus der Landeshauptstadt, kam der Anstoß zum Sponsoring sogar vom Ministerpräsidenten selbst. Der Vorstandsvorsitzende Herbert Haas erinnere sich noch, dass Wulff ihn „in der zweiten Jahreshälfte 2009 direkt angesprochen“ habe, berichtet eine Unternehmenssprecherin. Talanx gab daraufhin 10.000 Euro.

„In entspannter Atmosphäre werden Kontakte geschaffen und die Erfolgsaussichten geschäftlicher und sonstiger Kooperationen diskutiert“, heißt es in der neunseitigen Präsentation, mit der Manfred Schmidt bei Unternehmen um Geld warb. Er stellt „700 besondere Persönlichkeiten“ als Gäste in Aussicht und tritt darin mit seinem Unternehmen als Gastgeber auf - „mit Unterstützung der Schirmherren Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Ministerpräsident Christian Wulff“. Die Präsentation verwendet die Hoheitszeichen beider Länder.

„Das ist durchaus klebrig“

Der „Spiegel“ berichtete vor Weihnachten in Bezug auf eine interne Aufstellung, 2009 seien allein 685.000 Euro an Sponsorenbeiträgen zusammengekommen. Tatsächlich gekostet habe die Party aber „nur“ knapp 300.000 Euro. Was geschah mit dem Rest? Außerdem kursierten Berichte, Glaeseker habe dreimal umsonst in Luxusdomizilen von Schmidt Urlaub gemacht. Daraufhin schaltete sich die Staatsanwaltschaft Hannover ein. Wir haben Schmidt um Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten, was sein Anwalt jedoch ablehnte.

In Stuttgart werden die drei Nord-Süd-Partys heute so dargestellt, als seien norddeutsche Partylöwen über schwäbische Hausfrauen hergefallen. „Das ist durchaus klebrig, denn da gibt es immer wieder Kreuzgeschäfte“, sagt einer aus dem Stuttgarter Regierungsapparat, der jahrelang Oettinger treu gedient hat und nah dran war an dieser Art von Business. Immer wieder habe sich der Netzwerker Schmidt vor der Stuttgarter Party 2008 im Römerkastell am Neckar über mangelnde Unterstützung aus der baden-württembergischen Landesregierung beklagt.

Getuschel über die neue Art der Zusammenarbei

Was der Nord-Süd-Dialog in Stuttgart gekostet hat und welcher Sponsor im Detail wie viel Geld dafür gegeben hat, vermag die heutige grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg nicht zu rekonstruieren. „Bei uns gibt es keine schriftliche Abrechnung der Veranstaltung“, sagt Vizeregierungssprecher Arne Braun. Aus den noch vorhandenen Aktenvermerken sei lediglich zu entnehmen, dass die damalige baden-württembergische Landesregierung für den Organisator Manfred Schmidt eine Reihe von Kontakten zu Sponsoren aus dem Ländle geknüpft habe, dies aber in Umfang und Ergebnis nicht zur Zufriedenheit des Eventmanagers gewesen sei, der sich laut Braun deutlich mehr erhofft hatte. Für die Veranstaltung 2009 in Niedersachsen seien durch das Staatsministerium in Stuttgart aus dessen Etat Geschenke mit Schokolade und Wein im Gegenwert von 3600 Euro für die Veranstaltung spendiert worden. Ansonsten habe sich Oettingers Team laut Aktenlage in der Sache „sehr zurückgehalten“.

Wie enge Mitstreiter Oettingers berichten, hatte es auf den politischen Fluren in der Organisationsphase der Stuttgarter Party durchaus Getuschel über die neue Art der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft gegeben. „Das war grenzwertig“, sagt ein Ministerialbeamter. Details will er „aus Loyalität“ nicht nennen. Nur so viel sagt er: „Da wurde die Bussi-Bussi-Gesellschaft von ganz oben hofiert.“

Diese Version wird bestätigt von CDU-Leuten, die im Umfeld von Ministerpräsident Oettinger tätig waren. Sie hatten in jener Zeit nicht nur häufiger Kontakt mit dem umtriebigen Eventmanager Schmidt, sondern auch mit Glaeseker: „Der Glaeseker hat da eine offensive Rolle bei der Veranstaltung gespielt. Man hatte fast den Eindruck, als wäre das seine Nummer“, berichtet einer.

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