https://www.faz.net/-gpf-6x0hk

Wirbel um „Nord-Süd-Dialog“ : Norden, Süden und die ganze Welt

Wer ist dieser Sprecher, der seit einem Monat schweigt? Wenigen seiner Zunft sind von Journalisten in Porträts derartige Kränze geflochten worden wie Olaf Glaeseker. Immer wieder wird behauptet, er erst habe Wulff zu dem „gemacht“, der er sei, habe dafür gesorgt, dass aus dem grauen Landespolitiker ein deutschlandweit bekannter Publikumsliebling wurde. Wichtiger Spielpartner dabei: die „Bild“-Zeitung. Mitte 2010, also ein paar Monate, nachdem Wulff ohne jegliche negative Folgen für sich vor dem Niedersächsischen Landtag zugegeben hatte, dass die Annahme eines Upgrades von der Economy- in die Businessklasse bei einem Urlaubsflug ein „Verstoß gegen das Ministergesetz“ gewesen sei, erschien eines dieser Glaeseker-Porträts mit einer hübschen Pointe: „Persönliche oder politische Krisen wie die Scheidung, die Kehrtwende beim Raucherschutz oder Ungeschicklichkeiten bei der Annahme von Vergünstigungen führten auch deshalb nicht zu einer ernsthaften Belastung für Wulff, weil Glaeseker mit seinem Einfluss die Kritik abzufedern verstand.“ Wulff wird der Ausspruch zugeschrieben, wenn man Glaeseker nicht mehr in seiner Nähe sehe, müsse man sich Sorgen um ihn, Wulff, machen. Dieser Zeitpunkt scheint definitiv erreicht.

Studierende halfen an der Garderobe und bei anderen Arbeiten

Der 1961 in Oldenburg geborene Olaf Glaeseker hat nach dem Sportstudium zunächst als Journalist gearbeitet. 1999 wurde er Sprecher der niedersächsischen CDU. 2003 machte der frisch gewählte Ministerpräsident Wulff ihn zu seinem Sprecher, als Bundespräsident nahm er ihn in derselben Funktion mit nach Berlin. Zu Glaesekers Eigenarten als Sprecher gehörte das Bemühen, steuernd Einfluss auf Journalisten zu nehmen. Hatte sein Chef einer Zeitung ein Interview gegeben, so konnte es passieren, dass Glaeseker sich noch vor dessen Erscheinen intensiv bei den Journalisten bemühte herauszufinden, welche Aussagen des Gesprächs diese an die Nachrichtenagenturen geben wollten und wie die Überschrift lauten werde.

Aus dem vielbestaunten „Spindoktor“ ist spätestens in dieser Woche ein Verdächtigter geworden, auch unter seinen Parteifreunden. „Ich fühle mich von Olaf Glaeseker beschissen“, polterte der für seine robuste Art bekannte CDU-Finanzminister Hartmut Möllring am Freitag. Inzwischen befürchte er einiges zu Glaeseker. Zuvor hatte Möllring vor dem Landtag einen Bericht der Lokalzeitung „Neue Presse“ bestätigen müssen. Die schrieb, Glaeseker habe 2009 die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) um Hilfe bei der Vorbereitung des Nord-Süd-Dialogs gebeten. „Als Landesbetrieb des Landes Niedersachsen sind wir der Bitte der Staatskanzlei natürlich gerne gefolgt“, wurde ein MHH-Sprecher zitiert. 44 Studierende halfen an der Garderobe und bei anderen Arbeiten. Nach der Veranstaltung stellte die MHH der Staatskanzlei 5245 Euro in Rechnung. Doch die zahlte nicht, ebenso wenig wie Schmidt.

Die Präsentation verwendet die Hoheitszeichen beider Länder

Es war der bisher klarste Beleg dafür, dass die Landesregierung das Parlament im Frühjahr 2010 falsch informiert hat. Damals teilte der Leiter der Staatskanzlei, Lothar Hagebölling - Wulff nahm ihn mit ins Schloss Bellevue, wo er seitdem die Präsidialverwaltung leitet -, auf eine Anfrage der SPD-Fraktion mit, es handle sich beim Nord-Süd-Dialog um eine „Privatveranstaltung“. Es gebe keine Beteiligung oder Finanzierung durch das Land Niedersachsen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.