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Deutsche Einheit : Mehr Anerkennung für den Osten

Beginn des Mauerbaus: Blick auf das Brandenburger Tor vom Osten aus, im Oktober 1961. Bild: rbb/akg-images

Wahlempfehlungen und volkserzieherische Programme bewirken weniger als gezielte Hilfen zur Entfaltung der Freiheit.

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          Natürlich gibt es mehr Gemeinsames als Trennendes im Osten und im Westen. Alles andere wäre dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung auch merkwürdig. Die Einheit kam ja letztlich 1990 nur zustande, weil schon damals das Gemeinsame überwog – dafür gingen die Menschen in der DDR auf die Straße. Die Lage der Nation ist freilich immer noch von der jahrzehntelangen Zwangstrennung gezeichnet, aber die Narben verheilen langsam.

          Es ist zugleich ein Fehler, den Zustand des Landes immer nur als eine Art wirtschaftliche Aufholjagd darzustellen – als ob die „innere“ Einheit bei gleicher Wirtschaftskraft vollendet wäre. Den Osten gab und gibt es ja auch nicht. Teils blüht er mehr als der Westen. Flächendeckende Subventionierung ist stets fragwürdig, auch hier.

          Nicht ohne Grund kennt das Grundgesetz eine Kompetenz zur Herstellung „gleichwertiger Lebensverhältnisse“. Gleich müssen die Verhältnisse nicht überall sein. In einer Zeit, in der schon längst eine Generation ohne jede persönliche Erinnerung an die deutsche Teilung herangewachsen ist und nicht wenige junge Menschen wie selbstverständlich in die östlichen Bundesländer (zurück-)ziehen, darf die Politik eine gewisse Verbitterung der Älteren nicht übergehen.

          Wohlfeile Parolen, Wahlempfehlungen und volkserzieherische Programme bewirken weniger als Anerkennung und gezielte Hilfen zur Entfaltung der Freiheit – für die die Deutschen von Sachsen bis Mecklenburg erfolgreich auf die Straße gegangen sind.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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