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Skepsis gegenüber Astra-Zeneca : Hunderttausende Berliner gehen nicht zur Impfung

Im ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof werden die Impfungen mit Astra-Zeneca durchgeführt. Bild: dpa

Viele nehmen offenbar das Impfangebot mit dem Wirkstoff Astra-Zeneca nicht wahr. Berlins Regierender Bürgermeister schlägt vor, die Strategie zu ändern und auch Studierende und Azubis zu impfen.

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          Seit Wochen wird in Berlin von leeren Impfzentren in den ehemaligen Flughäfen Tegel und Tempelhof berichtet. Dort wird der Impfstoff Astra-Zeneca verabreicht. Offenbar nehmen Hunderttausende Berechtigte ihren Impftermin nicht wahr, weil sie dem Stoff misstrauen. Fachleute gehen laut einem Bericht der Zeitung „Tagesspiegel“ davon aus, dass 300.000 Bewohner der Hauptstadt darauf verzichten, nach einer Einladung einen Impftermin zu vereinbaren.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Zuletzt hatten Lehrer, Polizisten und die Angestellten von Kitas dort geimpft werden sollen. Doch kamen Tausende weniger als erwartet. Bis zum 23. März sollen rund 363.000 Berliner eine Erstimpfung erhalten haben, rund 630.000 waren aber berechtigt, sich impfen zulassen.

          Gerade unter den berufstätigen Berlinern mittleren Alters gebe es große Vorbehalte, sich Astra-Zeneca impfen zu lassen, heißt es unter Berufung auf Impfärzte. Diese Bedenken seien nur schwer überwindbar. Astra-Zeneca war in Deutschland von der Ständigen Impfkommission zunächst nur für Menschen bis 65 Jahre empfohlen worden, Mitte März wurde die Impfung mit dem Stoff wegen des Auftretens einiger tödlich verlaufener Thrombosefälle kurzzeitig gestoppt. In Berlin sollen rund 100.000 Dosen des schwedisch-britischen Impfstoffs vorrätig sein, weitere Lieferungen werden erwartet.

          Doppelt so viele Impfungen täglich möglich

          Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellte am Donnerstag in Aussicht, dass die bisherige Impfpriorisierung bald aufgehoben werden könnte. Über kurz oder lang müsse man neue Schwerpunkte setzen, sagte er im Abgeordnetenhaus. Das würde bedeuten, dass man schneller Jüngere impfen werde.

          Man müsse darüber diskutieren, „ob wir als nächstes die Studierenden oder die Auszubildenden oder andere Jüngere mit reinnehmen in unsere Impfstrategie und entsprechend schneller impfen“, sagte Müller. Wissenschaftler würden dieses Vorgehen empfehlen, um die Infektionsketten bei besonders mobilen Bevölkerungsgruppen zu durchbrechen.

          Es gebe immer noch zu wenig Impfstoff in Berlin, sagte Müller. „Wir könnten pro Tag 20.000 Impfungen vornehmen und kommen gerade mal auf 10.000 Impfungen.“ Das liegt offenbar auch daran, dass Astra-Zeneca so breit abgelehnt wird. Berlin hat sechs Impfzentren – in dreien wird der Impfstoff von Biontech verimpft, in einem der von Moderna.

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