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Exzellenz-Entscheidung : Viel Geld und noch mehr Strahlkraft

Hier bewirbt man sich auch als Exzellenz-Uni: Physik-Vorlesung an der RWTH Aachen. Bild: ddp

Für die Hochschulen und Universitäten hängt von der Exzellenzentscheidung am Freitag noch mehr ab als in der Vergangenheit – wer ausgewählt wird, dürfte deutlich länger etwas davon haben.

          Für die Universitäten geht es dieses Mal um besonders viel bei der Entscheidung in der Exzellenzstrategie. Zwischen zehn und 15 Millionen für Einzelanträge und 15 und 28 Millionen Euro für Verbundanträge im Jahr werden die Auserwählten bekommen. Insgesamt stehen 148 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. 75 Prozent davon bezahlt der Bund, 25 Prozent das jeweilige Sitzland. Viel wichtiger aber sind der Reputationsgewinn und die langfristige Förderung.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Denn das ist neu bei der Exzellenzstrategie: Wer Exzellenzuniversität wird, bleibt es für mindestens sieben Jahre, vermutlich aber viel länger. Denn die Auserwählten brauchen keine neuen Konzepte einzureichen, nur wieder zwei erfolgreiche Cluster-Anträge für international konkurrenzfähige Forschungsverbünde durchzusetzen. „Man müsste sich schon sehr blöd anstellen, um dann rauszufallen“, sagt einer, der es aus Erfahrung wissen müsste.

          17 Universitäten und zwei Verbünde hoffen darauf, dass sie in den Genuss der Exzellenzförderung kommen. Es sind die Universitäten Kiel, Hamburg, Bochum, Bonn, die RWTH Aachen, die Uni Köln, die TU in Dresden, die TU München, die LMU München, Tübingen, Konstanz, Freiburg, das KIT in Karlsruhe, die Uni Heidelberg, die TU Stuttgart, die TU Braunschweig und die Universität Münster. Die drei Berliner Universitäten (Humboldt-Uni, FU und TU Berlin) haben sich ebenso zu einem Verbund zusammengeschlossen wie die Universität Hannover und die Medizinische Hochschule. Viele haben schon Partys angesetzt oder ein Public Viewing für die Pressekonferenz angekündigt. Die Universitäten mussten jeweils zwei Cluster einwerben, die Verbünde mindestens drei.

          Bis Donnerstagabend soll die „Ampel“ fertig sein

          Acht Bewerber werden leer ausgehen. Denn die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern legt fest, dass „elf Förderfälle bei Erfolg im wettbewerblichen Verfahren“ gefördert werden. Es ist denkbar, wenn auch unwahrscheinlich, dass am Ende weniger als elf ausgewählt werden, aber nicht mehr. Seit Dienstag tagen in Bonn die 39 Wissenschaftler des Expertengremiums, die alle 19 Evaluationen der Begehungen vor Ort und die 19 Begutachtungsberichte (sie sind den Wissenschaftsministern von Bund und Ländern bekannt) durchgehen und bewerten. Insgesamt waren an den Begehungen über 200 Gutachter vor allem aus dem Ausland beteiligt.

          Während die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Auswahl der Cluster verantwortlich war, ist es nun der Wissenschaftsrat (WR). Das Expertengremium wird seinen Vorschlag für die Förderung als Ampel vorbereiten. Grün gestellte „Förderfälle“, wie es in der Sprache der Exzellenzstrategie heißt, sollten unbedingt gefördert werden, rot bezeichnete auf keinen Fall und bei den gelben kann man so oder so entscheiden. Kriterien sind bisherige exzellente Forschungsleistungen, sowie Drittmittel oder Forschungspreise und Qualität des strategischen Gesamtkonzepts, forschungsorientierte Lehre, Nachwuchsförderung, Ausbau der Spitzenforschung und Innovationskraft. Am Donnerstagabend soll die sogenannte Ampel fertig sein.

          Freitagmorgen kommen die Wissenschaftsminister der Länder und die Bundesbildungsministerin dazu. Sie treffen dann gemeinsam mit den Wissenschaftlern die endgültige Entscheidung über die Förderung. Die Leitung der Sitzung obliegt der Vorsitzenden des Wissenschaftsrats Martina Brockmeier und dem Präsidenten der DFG Peter Strohschneider. Der Bund hat 16 Stimmen und die Länder haben jeweils eine Stimme. Insgesamt umfasst die Exzellenzkommission also 32 Stimmen aus der Politik und 39 aus der Wissenschaft.

          Die Politik dürfte ihren Einfluss geltend machen wollen

          In der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern ist festgelegt, dass ein Antragsteller die einfache Mehrheit der Wissenschaftlerstimmen braucht, um Exzellenzuniversität zu werden (also mindestens 20 von 39), sowie mindestens 25 Stimmen der Politik. Der Bund und mindestens neun Länder müssen also zustimmen. Sollten die Wissenschaftler elf Förderfälle auf grün stellen und acht auf rot, bleibt der Politik wenig Entscheidungsspielraum. Doch damit ist nicht zu rechnen. Die Anträge werden wie bei den Exzellenzclustern in der Qualität nah beieinander liegen und die Entscheidung schwer werden, so dass die gelbe Liste sicher Spielraum für die Mitsprache der Politik schafft. Auch wenn das Bundesbildungsministerium nicht müde wird zu betonen, dass es sich um ein rein wissenschaftsgeleitetes Verfahren handelt, wird es zwischen den zuständigen Landespolitikern hoch hergehen.

          Die Minister werden kämpfen um ihre Universität oder Universitäten. Wenn sie allerdings auf den Gedanken kommen sollten, Förderfälle von der roten Liste grün zu stellen, wird ihnen niemand mehr glauben, dass es nur um Wissenschaftlichkeit gegangen ist. Dann werden Proporz, Strukturförderung und vieles mehr eine Rolle spielen und dann hätte man sich das langwierige Antragsverfahren von drei Jahren auch sparen können. Eines ist schon klar: weder Baden-Württemberg noch Nordrhein-Westfalen, die mit besonders vielen Universitäten ins Rennen gehen, werden alle Kandidaten durchsetzen können.

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