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Zur Feier des Tages : Schafft endlich den Muttertag ab!

  • -Aktualisiert am

Bild: Claire Lenkova

Über ein bescheuertes Spiel, in dem die Gefeierten selbst die ödeste Rolle haben: Der Muttertag ist überholt, er reduziert Frauen auf ihre Rolle als Mutter – findet unsere Autorin.

          6 Min.

          Diese Käferchen finde ich richtig schlimm. Mütter als niedliche, etwas tumbe Insekten, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als mit ihrer Brut auf einer Wiese herumzusitzen: Das Mutterbild, das unsere Zeichnung auf der Titelseite der F.A.S. transportiert, hat mit meinem Leben nichts zu tun. Mit meinem Selbstverständnis als Mutter schon gar nichts. Zum Muttertag passt es leider sehr wohl.

          Ich konnte mit dem Muttertag noch nie etwas anfangen. Die Zeiten, in denen ich als kleines Mädchen Spaß daran hatte, am zweiten Sonntag im Mai den Frühstückstisch zu schmücken, extradünne Pfannkuchen für meine Mama zu backen oder ihr ein Stickbildchen zu schenken, liegen lange zurück. Hochgehalten wurde dieser Tag der zelebrierten Dankbarkeit in meiner Familie nicht. Es waren die siebziger, achtziger Jahre, die bürgerliche Kleinfamilie war als Ursprung von vielerlei Übel in Verruf geraten und die Frauenemanzipation auf dem Vormarsch. Meine Mutter war berufstätig, das fand ich damals schon normal. Sie selbst legte keinen großen Wert darauf, speziell in ihrer Eigenschaft als Mutter gefeiert zu werden. Das role model der Fünfziger-Jahre-Hausfrau, das Gegenteil von Autonomie und gesellschaftlicher Mitbestimmung, war einfach noch zu nah.

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