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Vor der Wiedereröffnung : In den Schulen rumort es

Unterricht in angemessenem Abstand: In dieser niedersächsischen Schule sind zwei Meter zwischen den Tischen. Bild: dpa

Sollen Schüler Masken tragen? Wo kommen sie her? Gibt es Desinfektionsmittel? Und haben Lehrer ein Recht auf Notbetreuung? Viele Eltern und Lehrer fühlen sich schlecht informiert.

          3 Min.

          Eigentlich ist der Schulbetrieb eine langsame Maschine. Wenn sich in den über Jahrzehnte eingespielten Abläufen etwas ändern soll, dann beschließt das die Politik; im Kultusministerium wird die Umsetzung erarbeitet, eine Dienstanweisung erstellt, die an die Schulleiter und die kommunalen Schulträger geht. Wochen dauert das meist, eher Monate.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          In der Corona-Krise und bei der Wiedereröffnung von Schulen ist alles anders. Auch wenn schon am Montag in vielen Bundesländern die Abschlussjahrgänge wieder in den Schulen unterrichtet werden, haben viele Schulleiter erst Mitte dieser Woche erfahren, welche Hygieneregeln eingehalten werden sollen. Was das im Detail bedeutet, wissen sie oftmals noch nicht.

          Holger Frieß sitzt am Elternbrief, den er bis spätestens Freitagnachmittag verschicken will. Soll er schreiben, dass die Kinder einfache Gesichtsmasken tragen sollen? Der Leiter einer Grundschule im Wetterau-Kreis ist sich nicht sicher. „Ich werde keine Kinder nach Hause schicken, die keine Maske haben.” Es sei „wünschenswert“, wenn eine Maske getragen werde, will er schreiben. Im Hygieneplan des Kultusministeriums ist der Punkt nicht ausgeführt.

          Haben Lehrer ein Recht auf Notbetreuung?

          Um die genaue Umsetzung kümmert sich das Schulamt, von denen kam, vier Tage vor der Schulöffnung, bislang aber nichts. „Wir planen also autark“, sagt Frieß. Woher die Masken kommen? Im Hochtaunus will der Landkreis Masken und Seife für jedes Kind bereitstellen. In der Wetterau weiß Frieß, der Kreisvorsitzender des Interessenverbandes hessischer Schulleitungen ist, noch nichts von solchen Plänen.

          Bei der Schulöffnung im Ausnahmezustand spielen, neben den Gesundheitsministerien, auch die kommunalen Schulträger eine zentrale Rolle. Die Städte und Landkreise müssen genügend Seife, Desinfektions- und Reinigungsmittel bereit stellen. Andreas Leibold, Leiter einer Haupt- und Realschule im Main-Kinzig-Kreis, erfuhr aus einer Pressemitteilung, dass der Landkreis Masken für alle habe.

          Als er nachfragte, erfuhr er, dass das nur für die Mitarbeiter des Kreises gelte, also Sekretärinnen und Hausmeister. Für die Lehrer, Angestellte des Landes, ist die Maskenfrage noch nicht abschließend geklärt. Aber wie sehr helfen die überhaupt? Unterrichten mit Maske, das funktioniert doch nicht, glauben die Schulleiter Frieß und Leibold. „Wir haben auch Schüler in der Intensivförderung, die müssen die Lippen des Lehrers lesen können. Da kann man keine Maske tragen“, sagt er. Und sollen Kinder überhaupt fünf Stunden eine Stoffmaske tragen?

          Die Sorgen der Eltern wachsen

          Im Kultusministerium gibt es keine klare Antwort darauf, ob Schüler und Lehrer, so wie es im Bus oder im Supermarkt inzwischen vorgeschrieben ist, eine Maske tragen sollen. Dabei versichert man, dass alle unter Hochdruck arbeiten. In den zuständigen Abteilungen gehe man nicht vor 22 Uhr nach Hause. Es gab mehrere Briefe an die Schulen. Eine Woche ist seit dem Beschluss zur Schulöffnung eben auch erst vergangen. Wie in anderen Ländern gab es auch in Hessen schon früher Überlegungen, aber die Arbeitsgrundlage änderte sich ständig.

          Noch vor einer Woche sollte es keine Maskenpflicht geben. „Wir haben versucht, so viele Fragen wie nur möglich darin zu klären“, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums. Ob die Kinder von Lehrern in Hessen auch in die Notbetreuung dürfen wie etwa in Rheinland-Pfalz, ist noch offen. Die Klärung soll aber bald erfolgen. Und wieso dürfen weiterhin nur fünf Kinder pro Lehrer in der Notbetreuung sein, aber bis zu 15 im nun beginnenden Unterricht?

          Die Sorgen der Eltern wachsen. Souyon Baek, Elternbeirätin aus Frankfurt, überlegt, ihre Tochter nicht in die Schule zu schicken. Bei ihr sind, bis auf Medienäußerungen des Kultusministers, fast keine Informationen angekommen. Wie genau werde der Hygieneplan des Landes in Frankfurt umgesetzt? Wird das Klassenzimmer zumindest täglich gereinigt? Im Schulamt heißt es, der Hygieneplan liege den Schulen vor.

          „Meine Heimat ist Südkorea, dort werden die Schulen viel konsequenter desinfiziert“, sagt Baek. Ob es Seife und Desinfektionsmittel in der Grundschule ihrer Tochter gibt, erfährt sie vermutlich erst am Montag. Auch unter den Lehrern rumort es. „Ich will nicht verantwortlich sein, dass sich durch meinen Unterricht Corona ausbreitet“, sagt einer. An Frieß’ Schule sind drei der vier Klassenlehrer der vierten Klassen, die Montag wiederkommen, kurz vor der Pensionierung – unterrichten können sie nicht. Mehr Lehrer gibt es nicht, es wird improvisiert.

          Bald sollen auch die anderen Schüler kommen, wenn auch nicht alle gleichzeitig. „Unser Ziel ist, dass jeder Schüler im Mai noch die Schule gesehen hat“, so das hessische Kultusministerium. Statt 160000 also rund 760000 Schüler – gibt es dann genug Platz auf dem Schulhof und in den Gängen? Reicht die Zahl der Lehrkräfte aus? Gibt es genug Putzkräfte, um alle Räume täglich, am besten sogar noch öfter, zu reinigen? Antworten gibt es darauf noch nicht.

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