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Nach der Flut an der Ahr : Die meisten zerstörten Häuser dürfen aufgebaut werden

Altenahr in Rheinland-Pfalz Anfang September Bild: dpa

Wissenschaftler hatten ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept und eine angepasste Bauweise gefordert. Doch nun dürfen fast alle Häuser an der Ahr einfach wieder saniert werden.

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          Im Ahrtal dürfen aufgrund einer Ausweitung des Überschwemmungsgebiets nach der verheerenden Flut nur 34 Häuser nicht wiederaufgebaut werden. Die allermeisten Hausbesitzer könnten damit ihr Haus an Ort und Stelle sanieren, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstagabend bei einer Konferenz von Land und Gemeinden zum Wiederaufbau des Ahrtals.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          In den vergangenen Tagen habe der Vor-Ort-Beauftragte der Landesregierung zusammen mit dem Opferbeauftragten die Betroffenen wo möglich informiert, sagte Dreyer. Dabei sei es auch um alternative Bauplätze gegangen.

          Das zunächst vorläufig festgesetzte Überschwemmungsgebiet ist deutlich größer als das frühere. So sind etwa große Teile von Altenburg (Altenahr) nun Überschwemmungsgebiet. Dort stehen Dutzende Häuser; die eingezeichnete Linie entspricht in etwa dem Hochwasser von Mitte Juli.

          „Niemand muss im Winter frieren“

          Allerdings sind nach Angaben der zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord im Überschwemmungsgebiet Häuser mit leichten Hochwasserschäden nicht und jene mit größeren Schäden nicht per se von einem Wiederaufbauverbot betroffen. Für bestehende Häuser gibt es einen Bestandsschutz.

          Dreyer versicherte den Bürgern am Donnerstag abermals, sie seien „nicht allein“, die Landesregierung stehe an ihrer Seite. Zuvorderst gelte es nun, eine Wärmeversorgung der Menschen für den Winter sicherzustellen. „Niemand muss im Winter frieren“, sagte Dreyer.

          Die Verbandsbürgermeisterin von Altenahr, Cornelia Weigand, kritisierte die Situation am Freitag als „unbefriedigend“, notwendig sei vor allem ein länderübergreifender Hochwasserschutz. Ab Montag sollen in den Ahr-Gemeinden Einwohnerversammlungen zum Wiederaufbau abgehalten werden.

          Bei dem Hochwasser Mitte Juli waren mehrere tausend Gebäude im Ahrtal beschädigt oder zerstört worden, mehr als 134 Personen kamen ums Leben, mehr als 760 wurden verletzt. Wissenschaftler warnen davor, das Ahrtal einfach wiederaufzubauen. Sie fordern ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept sowie eine angepasste Bauweise.

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