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Wieder mehr Corona-Fälle : In der Dauerwelle

„Freiheit heißt nicht immer nur Freiheit für mich alleine“ - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bild: dpa

Die Verhältnismäßigkeit rigider Corona-Maßnahmen verändert sich. Selbst wenn die Corona-Infektionen steigen, bleiben Schulen und Geschäfte geöffnet. Das Leben muss weitergehen.

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          Ist das nun die befürchtete „zweite Welle“? Es ist müßig, über die Bezeichnung zu streiten. Wichtig ist, dass der Anstieg der Corona-Fälle flächendeckenden Charakter und wieder das exponentielle Wachstum annehmen könnte, das die Gesundheitsämter sehr schnell überlastet. Auf was sich die Pandemie-Gesellschaften einzurichten haben, ist aber ohnehin, solange es keinen Impfstoff gibt, die Dauerwelle.

          Grund zur Entwarnung hat es bislang nie gegeben, und nur Leichtsinn verführt dazu, so zu tun, als sei alles nur halb so wild. Insofern steht jetzt die Bewährungsprobe bevor: Können wir mit der Pandemie tatsächlich leben?

          Der Unterschied zur Ausbreitung im Frühjahr liegt nicht nur in den aktuellen Infektionszahlen – sie sind immer noch wesentlich niedriger. Aber selbst wenn sie weiter steigen sollten: Niemand kann sich wirklich vorstellen, das öffentliche und wirtschaftliche Leben wieder derart ruhigzustellen wie damals.

          Am wenigsten können das wohl die verantwortlichen Politiker. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beeilte sich zu sagen, dass die Geschäfte jetzt nicht gleich wieder geschlossen würden. Weder die Betroffenen noch der Staat könnten sich das leisten.

          Je länger die Pandemie dauert, desto mehr stehen nicht nur Menschenleben, sondern auch Existenzen auf dem Spiel. Mithin verändert sich die Verhältnismäßigkeit rigider Maßnahmen.

          Vergleichsweise harmlos ist dabei noch die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten. Wer ein Risiko eingeht, sollte spätestens bei der Einreise daran erinnert werden, dass Freiheiten nicht ohne Verantwortung zu haben sind.

          Die Schulen machen es derzeit vor: Sie werden wieder geöffnet, um zu tun, was möglich ist, wenn sich das Umfeld verantwortlich benimmt – und weil das Leben einfach weitergehen muss. Das trägt überdies zur Beruhigung der Gewerbetreibenden bei, die sich fragen, ob nur sie von Existenzängsten geplagt sind, der öffentliche Dienst hingegen dem Lockdown frönen darf.

          Es war dennoch mutig von Spahn, die Fußballvereine zu loben, die von halbwegs gefüllten Stadien träumen. Das letzte Wort ist darüber noch nicht gesprochen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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