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Ansteckungsgefahr senken : Wie Virologen ihre Haltung zu Mundschutz änderten

Wertvoller Artikel: Es werden Schutzmasken in großer Zahl benötigt, weil sie häufig ausgetauscht werden müssen. Bild: Reuters

Lange hieß es, Masken würden nicht helfen – in der Hoffnung, dass für medizinisches Personal genügend vorhanden sind. Die Nationalakademie Leopoldina fordert nun das flächendeckende Tragen von Mund-Nasen-Schutz.

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          Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat seine Haltung zum Maskentragen geändert. Während es die Bedeckung von Mund und Nase im Widerspruch zum eigenen Pandemieplan lange für unnötig erklärte, um die knappen Ressourcen medizinischer FFP-Masken nicht zu gefährden, empfiehlt es nun doch, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, weil er kombiniert mit Abstandhalten und Handhygiene andere vor Ansteckung schützen kann. Dass ein einfacherer Mund-Nasen-Schutz einen selbst vor Ansteckung schütze, sei nicht hinreichend belegt. Aus Südkorea, wo das Maskentragen dazugehört, gibt es Hinweise darauf, dass die Ansteckung durch Infizierte, die entweder gar keine Symptome oder sehr leichte haben, deutlich gemindert wird.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das bekräftigt auch eine zweite Ad-hoc-Stellungnahme der Nationalakademie Leopoldina, in der es heißt: „Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen, verringert damit die Ausbreitung der Infektion und senkt somit mittelbar das Risiko, sich selbst anzustecken.“ Eine schrittweise Lockerung der Einschränkungen sollte daher mit dem flächendeckenden Tragen von Mund-Nasen-Schutz einhergehen. Dies gelte für Nah- und Fernverkehr, Betriebe und Bildungseinrichtungen. „Voraussetzung ist die flächendeckende Verfügbarkeit von schützenden Masken.“ Darüber hinaus empfiehlt die Leopoldina, die Testkapazitäten erheblich auszuweiten. Derzeit würden über 350.000 Menschen pro Woche getestet, es müsse nun noch viel gezielter getestet werden, um Ausbreitungsherde besser einzugrenzen und Quarantänemaßnahmen passgenau zu verhängen.

          Eine kurzfristige Verwendung mobiler Daten, um gefährdete Personen zu informieren, halten die Fachleute der Leopoldina durchaus für sinnvoll. Allerdings müssten die Daten nach vier Wochen auch gelöscht werden. Covid-19-Viren könnten auch schon 2,5 Tage vor Symptombeginn übertragen werden, und ein Großteil der Infizierten weise auch nach der mittleren Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen bei sehr hoher Viruslast im Rachenraum wenige bis keine Symptome auf. „Diese Information muss breit kommuniziert werden, um dadurch ein nachhaltiges, verantwortungsbewusstes Verhalten zu fördern.“

          Die OECD hat in gerade veröffentlichten Modellrechnungen gezeigt, dass die soziale Distanzierung am Arbeitsplatz die wirksamste Methode sei, um die Infektionsrate zu mindern (23 bis 73 Prozent). Schulschließungen könnten die Infektionsrate um vierzig Prozent reduzieren und persönliche Hygiene um 27 Prozent.

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