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Tierschutz : Nur ein totes Schwein ist ein freies Schwein

Geht es hier noch um das Tierwohl? Tierschützer bringen mit ihren Aktionen immer öfter auch Tiere in Gefahr (Symbolbild). Bild: Biosphoto/juniors@wildlife

Sie nennen sich Tierschützer, brechen in Ställe ein und bedrohen Politiker. Die „Tierrechtler“-Szene wird immer radikaler – und scheint dabei selbst über Leichen zu gehen.

          Tierschutz ist in Deutschland Staatsziel. 2002 wurden in den Grundgesetzartikel 20a, in dem schon die natürlichen Lebensgrundlagen geschützt waren, die drei Worte „und die Tiere“ eingefügt. Das war ein überfälliger Schritt, der die Arbeit seriöser Vereine wie des Deutschen Tierschutzbunds auf eine breitere Basis stellte. Seither ist das Tierwohl auch bei Großereignissen der Agrarbranche wie derzeit auf der Grünen Woche in Berlin ein wichtiges Thema.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Mit dem Staatsziel Tierschutz sind Tiere dem Menschen aber aus gutem Grund nicht gleichgestellt. Doch genau das wollen radikale Tierschützer, die sich selbst „Tierrechtler“ nennen. Die Organisation Peta etwa lehnt jede Form der Nutzung von Tieren durch den Menschen kategorisch ab, bezeichnet den „agrarindustriellen Komplex in Deutschland“ pauschal als „organisierte Kriminalität“ und propagiert einen strikten Veganismus.

          Die als gemeinnützig anerkannte Organisation greift auch zu höchst fragwürdigen Methoden. Vor einigen Jahren verglich Peta unter dem Motto „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ das Leiden von Masttieren mit dem von KZ-Häftlingen. Als im vergangenen Mai die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking zurücktrat, verbreitete Peta eine geschmacklose Nachricht bei Facebook. Unter der Betreffzeile „Täterin Nr. 1 weg“ waren im Stil eines Terrorismus-Fahndungsplakats drei Bilder zu sehen. Das erste, mit einem großen roten X gekennzeichnete, zeigte Schulze Föcking. Die beiden anderen zeigten die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die wie Schulze Föcking aus der konventionellen Landwirtschaft kommen und der CDU angehören.

          „Abgeschlachtet gehörst du, Tierquälerin“

          Immer wieder erwecken aggressive „Tierrechtler“ auch mit ihren Videokampagnen den Eindruck, dass es ihnen gar nicht vorrangig um das Tierwohl, sondern um Aufmerksamkeit für die Spendenakquise und politische Kampagnen geht. Auffällig häufig sind Aktivisten in den vergangenen Jahren gezielt in landwirtschaftliche Betriebe eingedrungen, deren Leiter oder Angehörige öffentlich bekannt sind oder wichtige Ämter haben. Ziel ist es, kompromittierendes Material zu drehen. In den Schweinemastbetrieb des Ehemanns von Christina Schulze Föcking im Münsterland drangen „Tierrechtler“ 2017 über einen Zeitraum von drei Monaten mehrfach ein. Ausgestrahlt wurde das Material von einem privaten Fernsehsender dann passgenau – nämlich erst nachdem die CDU-Politikerin in Düsseldorf Landwirtschaftsministerin geworden war. Der Bericht hatte für Schulze Föcking verheerende Konsequenzen: Kamerateams lauerten den beiden minderjährigen Söhnen des Landwirt-Ehepaars auf, Journalisten drangen auf das Gelände des Hofs und durchsuchten die Mülltonnen. Im Internet ergoss sich ein Shitstorm über die Familie. Auch Drohbriefe erhielt sie. „Abgeschlachtet gehörst du, Tierquälerin“, hieß es in einem. „Wir wissen, wo deine Kinder zur Schule gehen“, in einem anderen. Später stellte die Staatsanwaltschaft fest: Es gab keine Verstöße betreffend der Tierhaltung.

          So war das 2016 auch bei Johannes Röring. Damals drangen Aktivisten des Vereins Ariwa in einen Schweinemaststall des CDU-Bundestagsabgeordneten ein und machten Videoaufnahmen, die dann bei einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ausgestrahlt wurden. Auch hier fanden die Ermittler später keine Belege für Tierquälerei.

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