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Bundeswehr und Familie : Angst vor der Extrawurst

  • -Aktualisiert am

„Ich brauche nichts dafür, dass ich als Mutter im Einsatz bin“: Oberfeldwebel Haag in Mazar-i-Sharif Bild: Pilar, Daniel

Die Unzufriedenheit in der Bundeswehr nimmt zu. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will mit Maßnahmen für einen familienfreundlicheren Dienst entgegenwirken. Soldaten haben da ihre Zweifel.

          5 Min.

          Oberfeldwebel Jessica Haag* hat sich die Herzfrequenz ihrer Tochter nach der Geburt auf den Unterarm tätowieren lassen. Ein paar kleine Ausschläge und ein großer. Dann geht die Linie in den Namen über: Lena. Daneben steht das Geburtsjahr 2010 und Haags Leitspruch: „Pain is temporary, but pride is forever“, Schmerz geht vorüber, Stolz währt ewig. Das steht nicht nur für die Geburt. Es steht auch für Haags Einstellung zu ihrem Beruf, der oft mit körperlichen Anstrengungen einhergeht. „Aber wenn man es dann geschafft hat, ist man stolz. Solche Erlebnisse hat man als Zahnarzthelferin zum Beispiel nicht“, sagt Haag.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Gerade ist sie in „Ganistan“, wie ihre dreijährige Tochter sagen würde. Seit März hat sie Lena nur noch in Videokonferenzen gesehen, wobei das Internet in Mazar-i-Sharif oft zu langsam ist, um ein klares Bild zu erkennen. Und das Diensttelefon steht nur einmal in der Woche zur Verfügung. Aber darüber zu klagen passt nicht zu Haag. Die Debatte über die Vereinbarkeit von Dienst und Familie klingt in ihren Ohren nach Zahnarzthelferin. „Ich brauche nichts dafür, dass ich als Mutter im Einsatz bin. Ich hab alles.“

          Kindertagesstätten, Teilzeit und Kriegseinsätze – bei vielen löst das Assoziationen aus, die nicht zusammenpassen. Das mag einer der Gründe dafür sein, warum Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kaum Beifall bekam, als sie am vergangenen Freitag ihr Maßnahmenpaket für eine familienfreundlichere Bundeswehr vorstellte. Dabei zeigen Umfragen, dass die Unzufriedenheit in der Bundeswehr deutlich zugenommen hat, dass inzwischen nur noch rund die Hälfte der Soldaten ihren Beruf für „gut vereinbar“ mit der Familie hält. Im 2005 waren das noch mehr als zwei Drittel unter den Frauen und drei Viertel unter den Männern. Auslandseinsätze, Standortschließungen, Umstrukturierungen – immer häufiger gehen dabei Ehen und Partnerschaften in die Brüche. In einzelnen Verbänden ist von Trennungsquoten bis zu 75 Prozent die Rede.

          „Hier ist alles ein bisschen mädchenhafter“

          Und wie erklärt man einer Dreijährigen, was Afghanistan ist? „Wir haben ihr das so erklärt, dass die Mama weg muss, weil sie anderen Menschen hilft, die viel weniger haben als sie. ,Okay, Mama, geh helfen‘, hat sie gesagt“, sagt Haag. Lena mag das verstehen, viele andere nicht. Haag hat sich viel Kritik anhören müssen, dafür, dass sie ihr Kind in Deutschland „alleingelassen“ habe, wie viele sagen. „Ich lasse mein Kind nicht allein, der Vater ist da. Der ist genauso wichtig wie die Mutter“, sagt die 33 Jahre alte Soldatin, deren Vater schon bei der Bundeswehr war. Sie wollte unbedingt in den Auslandseinsatz, viermal schon hat sie sich beworben. Warum? „Weil ich Soldat bin. Punkt.“

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