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Entscheidung erst im März? : Wie Söder die Debatte um die Kanzlerkandidatur anfacht

  • -Aktualisiert am

Sein Platz war an diesem Tag nicht in Bayern: Markus Söder am Sonntag in Berlin Bild: dpa

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder gibt der Diskussion um die Kanzlerkandidatur eine neue Wendung: Es herrsche keine Eile. Will er so Zeit gewinnen, um selbst noch ins Rennen einzusteigen?

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          Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat der Diskussion über die Kanzlerkandidatur der Union eine neue Wendung gegeben. Bislang hatte er gesagt, die Entscheidung werde nach dem CDU-Parteitag, der Anfang Dezember in Stuttgart stattfindet, zu Beginn des nächsten Jahres fallen. Jetzt äußerte Söder, die Union werde nach dem CDU-Parteitag überlegen, welches der richtige Termin sei. „Das muss nicht unbedingt der Januar sein, das kann auch erst im März 2021 stattfinden“, sagte er der Zeitung „Bild am Sonntag“. Als Begründung führte er an, ein „zu langer Wahlkampf neben einer aktiven Kanzlerin ist wenig sinnvoll“.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Söder betont zwar in jüngster Zeit immer wieder, das Vorschlagsrecht bei der Kanzlerkandidatur liege bei der CDU. Zugleich bezeichnete er es als wichtig, dass es eine „gemeinsame Entscheidung des Herzens von CDU und CSU“ sei. Dieser Zweiklang entspricht Söders Tonlage seit Monaten. Einerseits gesteht er der CDU einen Vorrang bei der wichtigsten Personalentscheidung für die nächsten Jahre zu. Andererseits gibt er immer wieder den Takt durch eigene Festlegungen vor. Erst kürzlich hatte die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Dezember nicht noch einmal kandidieren will, die Überzeugung geäußert, wer sich um das Amt des CDU-Vorsitzenden bewerbe, der beanspruche die Kanzlerkandidatur. Zumindest die Kandidaten Friedrich Merz und Armin Laschet tun das ausdrücklich. Der dritte Bewerber um den Parteivorsitz, Norbert Röttgen, hatte gesagt, er könne sich auch vorstellen, dass der CDU-Vorsitzende nicht Kanzlerkandidat werde.

          Söder gewinnt Zeit

          Söders Vorstoß, erst im März nächsten Jahres zu entscheiden, würde im Dezember zu zwei schwierigen Parteitagen führen. Zunächst müsste die CDU sich anders verhalten, als es ihre scheidende Vorsitzende annimmt, und die Bewerber um den Vorsitz müssten darauf verzichten, sich in Sachen Kanzlerkandidatur festzulegen. Eine Woche später würde dann die CSU ihren Parteitag abhalten, auf dem es ebenfalls nicht zu einer Festlegung kommen dürfte. Der CSU-Parteitag hatte ursprünglich im November abgehalten werden sollen. Söder entschied dann, dass die CSU-Delegierten sich erst nach dem CDU-Parteitag träfen.

          Da Söder in den bundesweiten Umfragen zur Kanzlerkandidatur nun schon seit Monaten weit vor Merz, Laschet und Röttgen liegt, wird er ständig gefragt, ob er selbst Kanzlerkandidat werden wolle. Einerseits ist es naheliegend, dass er bei der nächsten bayerischen Landtagswahl, im Herbst 2023, im Amt des Ministerpräsidenten bestätigt werden will. Andererseits dürfte er sich kaum widersetzen, Kanzlerkandidat zu werden, wenn die Aussichten eines CDU-Bewerbers weiterhin so schlecht wie bisher blieben. Daher scheint Söder Zeit gewinnen zu wollen, in der sich erweist, ob der neue CDU-Vorsitzende nicht doch Aussichten auf eine erfolgreiche Kanzlerkandidatur hätte.

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