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Sachsen sucht den Superbaum : „Wenn wir jetzt nichts tun, erleben wir die Entwaldung des Landes“

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Das Rätsel Kiefer

Zur besonders vertrackten Lage in Sachsen trägt die – seinerzeit äußerst umstrittene – Entscheidung des vorletzten sächsischen Königs bei, den Landeswald auf Ertrag zu trimmen. So wurden vom Ende des 19. Jahrhunderts an große Flächen Mischwaldes vornehmlich in Fichten-Monokulturen umgewandelt. Das aber macht es heute nicht nur den Borkenkäfern einfach, vielmehr sterben wegen der zunehmenden Trockenheit ganze Fichten-Bestände im Tief- und Mittelland einfach ab und hinterlassen kahle Flächen. „Die Fichte ist ein Hochlagenbaum“, sagt Hempfling. Nur dort werden sie künftig überleben. Ein großes Rätsel bereitet den Förstern derzeit die Kiefer, von der nicht ganze Bestände, dafür aber vermehrt einzelne Bäume einfach absterben. Es sei ein sehr differenziertes Schadensbild. „Wir können nur vermuten, dass die zu hohen Temperaturen auch diese Baumart schädigen.“

Schon in den neunziger Jahren hat Sachsen begonnen, seinen Wald umzubauen, weg von der Mono- wieder hin zu Mischkulturen, die widerstandsfähiger gegen Sturm und Erkrankung einzelner Arten sind. Doch die zunehmende Trockenheit zwingt das Land nun abermals zur Anpassung. „Die Lage ist so dramatisch, dass wir auch auf andere Baumarten zurückgreifen müssen“, sagt Hempfling. Gute Erfahrungen habe man mit aus dem Apennin stammenden Weißtannen sowie aus Nordamerika kommenden Douglasien und Roteichen gemacht; Letztere seien zudem im Herbst wegen ihrer intensiven Laubfärbung „sehr attraktiv fürs Landschaftsbild“, vor allem aber widerstandsfähig.

Auch deshalb zieht Hempfling noch mehr florale Einwanderung in Erwägung. „Wenn das mit der Trockenheit so weitergeht, müssen wir über weitere fremdländische Arten beispielsweise aus dem Mittelmeerraum nachdenken“, sagt er und erwähnt etwa mediterrane Eichen. Schirmakazien dagegen seien, noch jedenfalls, kein Thema.

Die Spuren des Borkenkäfers sind schädlich.
Die Spuren des Borkenkäfers sind schädlich. : Bild: dpa

Die Lage des Waldes ist so ernst, dass sich inzwischen auch die Politik damit beschäftigt. An diesem Donnerstag treffen sich die Forstminister von CDU und CSU in Moritzburg bei Dresden, vor allem um über Sofortmaßnahmen zu beraten. Bundesweit hätten Stürme, Dürre und Borkenkäfer bereits mehr als 100.000 Hektar Wald zerstört, sagt Sachsens Forstminister Thomas Schmidt, der seine Amtskollegen eingeladen hat. „Wenn wir den Wald noch retten wollen, müssen wir umfangreiche Maßnahmen einleiten, die uns enorme Anstrengungen abverlangen – auch finanziell.“

In einer „Moritzburger Erklärung“, die am Ende des Treffens verabschiedet werden soll, fordern die Minister einen „Masterplan“ von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Ein Hauptbestandteil darin ist vor allem Geld für Förderprogramme auch für private Waldbesitzer, die sich wegen der stark gesunkenen Holzpreise die Beseitigung des Schadholzes nicht leisten können. Die Leistungsfähigkeit der meisten Betriebe sei längst überschritten, sagt Sachsens Forstchef Utz Hempfling und warnt: „Wenn wir jetzt nichts tun, erleben wir die Entwaldung des Landes.“

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