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Hass im Internet : Mörder aus der Meme-Maschinerie

Livestream der Gewalt: Stephan B.s mit einer Helmkamera gefilmte Tat war 35 Minuten im Netz zu sehen. Bild: Reuters

Die dunklen Ecken des Internets bringen immer mehr antisemitische und fremdenfeindliche Attentäter hervor – auch Stephan B. brüstete sich hier vor seiner Tat.

          4 Min.

          Der rechtsextreme Terrorist Stephan B., der in Halle zwei Menschen erschossen hat, war ein einzelner Täter, aber kein Einzeltäter. Über etwaige Komplizen bei der Beschaffung seines Waffenarsenals und der Planung seiner Tat ist zwar noch nichts bekannt. Doch in einem anderen, grundlegenderen Sinn empfand B. sich ganz offenbar als Teil eines Kollektivs, das er mit seinem Anschlag zu inspirieren hoffte, und das, so muss man es vermuten, zuvor ihn inspiriert hat. In einem knappen, englischsprachigen Manifest zählt er seine Ziele auf. „So viele Nicht-Weiße wie möglich töten, vorzugsweise Juden“ taucht dort erst an dritter und letzter Stelle auf. Davor stehen zwei andere Punkte, die auf die Mobilisierung von Nachahmern zielen: „Die Moral anderer unterdrückter Weißer durch die Verbreitung von Kampfaufnahmen erhöhen“ und „Die Tauglichkeit improvisierter Waffen demonstrieren“.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Letzteres ist weitgehend misslungen – die diversen, offenbar selbst gebauten Waffen, die der Täter bei sich führte, versagten mehrfach, mindestens zwei Menschen sind allein deshalb noch am Leben. Und auch zur Ertüchtigung von Menschen, die sich als unterdrückte Weiße wähnen, dürfte seine Aktion wenig beigetragen haben: In einschlägigen Internetforen wie „4Chan“ wird der Täter vor allem mit Hohn und Spott bedacht – allerdings nicht, weil er plante, ein antisemitisch und rassistisch motiviertes Massaker zu begehen, sondern weil er an der Durchführung (weitgehend) gescheitert ist.

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