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Jasper von Altenbockum (kum.)

Verkürzte Quarantäne? : An der Schmerzgrenze von Staat und Gesellschaft

Koch oder Kellner? Der Virologe Christian Drosten. Bild: dpa

Es gibt eine neue Linie in der Corona-Politik. Wissenschaft und Politik wissen jetzt wieder, wer Koch und wer Kellner ist.

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          Der Corona-Politik droht die klare Linie abhanden zu kommen (wenn sie denn je eine haben konnte). Es war und ist kein Fehler, dass auf unterschiedliche Lagen auch unterschiedlich reagiert wird. Aber die Marschroute sollte doch eindeutig sein.

          Bislang galt das vor allem dafür, was für jeden Infizierten und für jede Kontaktperson zumutbar ist. Quarantäne im Falle eines Kontakts und Isolierung im Falle einer Infektion waren dafür bislang die Maßstäbe, an der man sich in ganz Deutschland einheitlich orientieren konnte.

          Eine Bemerkung des Virologen Christian Drosten hat nun auch das noch ins Wanken gebracht. Aus einem Vorschlag, der die verkürzte Isolation meinte, ist eine Debatte über die Verkürzung der Quarantäne geworden. Das wird die Corona-Disziplin nicht unbedingt erhöhen.

          Drosten war „bis an die Schmerzgrenze der Epidemiologie“ gegangen und schlug eine Verkürzung der Isolation von Corona-Infizierten auf fünf Tage vor. Das war eine Konsequenz aus medizinischen Einsichten, aber vor allem ein Zugeständnis an die bröckelnde Akzeptanz der Corona-Maßnahmen. Die ist auch deshalb gefährdet, weil eine lückenlose Kontrolle nicht möglich ist.

          So richtig es ist, wie in Nordrhein-Westfalen eine „Vollzugsoffensive“ zu starten, um die Einhaltung der Regeln zu garantieren, so klar ist auch, dass Polizei und Gesundheitsämter das Land nicht in einen Seuchen-Leviathan verwandeln können oder wollen. Wohl auch deshalb sind etliche Bundes- und Landespolitiker sofort auf den verkürzten Quarantäne-Zug aufgesprungen.

          Kritik an der Verwirrung ist schnell bei der Hand, sollte aber im Auge behalten, dass ein gelockerter Umgang mit dem Virus unweigerlich mit immer neuen und differenzierteren Regeln einhergeht. Damit erobern sich Staat und Gesellschaft den Alltag zurück, ohne den sie, das ist die Lehre der Corona-Monate und neue Linie der Politik, ihrerseits an eine Schmerzgrenze geraten. Aus Drostens Vorstoß und der nachfolgenden Quarantäne-Debatte spricht insofern das Eingeständnis, dass zwischen Politik und Wissenschaft wieder Klarheit darüber herrscht, wer Koch und wer Kellner ist.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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