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Unverständliche Gesetzestexte : Der Sprach-TÜV fürs Parlament

Unübertroffen: Das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz ist das längste zusammengesetzte Hauptwort deutscher Sprache. Bild: Getty

Gesetzestexte sind für Leser oft eine schwere Kost. Klar, sie müssen juristisch exakt sein. Aber das heißt nicht, dass sie deswegen unverständlich sein müssen.

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          Oft fängt das Problem schon beim Titel an. Wachstumsbeschleunigungsgesetz, dreißig Buchstaben, acht Silben, Wahnsinn. Unterhaltsvorschussentbürokratisierungsgesetz oder Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz – wer kann das beim ersten Lesen verstehen? Unübertroffen ist das Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz, 1999 in Mecklenburg-Vorpommern beschlossen, 63 Buchstaben, zwanzig Silben, das längste zusammengesetzte Hauptwort deutscher Sprache. Man glaubt an einen Spaß, aber es ist ernst, sogar sehr, denn das Gesetz war damals eine Reaktion auf die Rinderkrankheit BSE. Kurios ist, dass der Erfinder des längsten deutschen Wortes ausgerechnet der am längsten amtierende deutsche Minister ist: Till Backhaus, seit mehr als zwei Jahrzehnten im Amt.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Noch verrückter als die Titel können die Texte selbst sein. Manchmal erheiternd: „Die augenärztliche Untersuchung der Sehschärfe soll einäugig und beidäugig erfolgen.“ Manchmal verwirrend: „Die befallsunabhängige Dauerbeköderung erfolgt zur Abwehr von Schadnagern in Räumlichkeiten, die von Tieren wie Ratten und Mäusen aufgrund der Gefahrenanalyse erreichbar sind und eine erhöhte Befallsgefahr mit Nagetieren darstellen.“

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