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Ausbau der Kinderbetreuung : Keiner soll vergessen werden

Ortsbesuch: Giffey in der Berliner Kita „Abenteuerland“. Die Familienministerin will mit einem neuen Gesetz die Qualität aller Kitas verbessern. Bild: Imago

Franziska Giffey ist überraschend Bundesfamilienministerin geworden. Hilft ihr die Erfahrung als Neuköllner Bezirksbürgermeisterin bei ihrem Vorhaben, die Kinderbetreuung zu verbessern?

          Marzahn-Hellersdorf gehört nicht zu den bevorzugten Wohnvierteln Berlins. Am Donnerstag hat die Familienministerin dort den Jüngsten einen Besuch abgestattet. „Auch als Ministerin will ich mir die Anschauung vor Ort erhalten und Rücksprache mit den Betroffenen halten, damit wir in der Politik die richtigen Schritte tun“, sagt Franziska Giffey in der Kita „Abenteuerland“, die in einer wenig heimeligen Plattenbausiedlung ihre Räume hat. Die Kita mit 139 Kindern wird als Sprach-Kita im Rahmen des gleichnamigen Programms des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Mit dem Bundesprogramm der Sprach-Kitas will das Ministerium bis Ende 2020 die alltagsintegrierte sprachliche Bildung, die inklusive Pädagogik sowie die Zusammenarbeit mit Familien in den Kitas stärken. Durch die Verdopplung der Mittel von 2017 an auf jährlich 200 Millionen Euro können insgesamt bis zu 7000 zusätzliche halbe Fachkraftstellen in Kitas und in der Fachberatung geschaffen werden. Allein in Berlin gibt es 400 speziell ausgebildete Spracherzieher.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Auch in Marzahn hat eine Erzieherin die Zusatzausbildung als Sprachförderkraft durchlaufen, hilft in den einzelnen Gruppen bei Sprachproblemen und überlegt mit ihren Kollegen, wie die Sprachförderung in den Alltag integriert werden kann. „Wir sind hier keine Logopäden, aber wir können aufmerksam die Sprachentwicklung der Kinder beobachten und entsprechende Berichte schreiben“, heißt es in der Kita. Der Ausländeranteil ist hier relativ gering, es gibt vereinzelt Kinder aus Afghanistan und aus Syrien, aber die sprechen manchmal auch nicht schlechter Deutsch als die deutschen Kinder.

          Ohne gut qualifizierte Erzieher wird es nicht gehen

          Als Giffey den Raum betritt, geht sie auf die Kinder zu und begrüßt jedes einzeln. Sie findet sofort Kontakt zu ihnen, die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) steht als gelernte Erzieherin ein wenig unbeholfen daneben. Simuliert wird durch einen Erzieher ein Flug ins „Abenteuerland“ mit Halt in verschiedenen Ländern. Giffey und Scheeres bekommen von den Kindern ihre Fahrscheine. Beide sitzen auf den zu kleinen Kinderstühlen, beide in roten Blazern. Giffey fragt, hört zu und redet genauso schnörkellos, wie sie es als Bezirksbürgermeisterin von Neukölln auch getan hat. Sie ist nicht weniger deutlich als ihr Vorgänger Buschkowsky, bleibt dabei aber verbindlicher im Ton.

          Durch das Kitaqualitätsgesetz, das noch vor der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden soll, will sie die Kindertagesbetreuung weiter verbessern. Ohne gut qualifizierte Erzieher wird das nicht gehen, und davon gibt es bekanntlich zu wenige. Die Kita „Abenteuerland“ hat Glück, sie hat sogar zwei männliche Erzieher für sich gewinnen können. Der eine wollte eigentlich Mitarbeiter bei der Sparkasse werden, war aber im Bundesfreiwilligenjahr in der Kita. Nach dem Ende des Jahres nahm er seinen Abschied und begann die Banklehre, doch er fühlte sich nicht wohl, brach die Ausbildung ab und kehrte in die Kita zurück, wo er seine Ausbildung durchlief.

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