https://www.faz.net/-gpf-9phh3

SPD-Vorsitz : Wer könnte der Messias sein?

Wer könnte der Messias sein? Weitere Kandidaturen wird es jedenfalls geben. Schäfer-Gümbel hat das in der Fraktionssitzung am Mittwoch angekündigt, ohne Namen zu nennen. Die Sitzung war viel zu kurz, ganze vierzig Minuten, um das Thema zu vertiefen. Die Abgeordneten hasteten dann zur Sondersitzung des Bundestages wegen der Vereidigung von AKK. Später zerstreuten sie sich wieder – in die Ferien oder die Wahlkreise. Hinter vorgehaltener Hand hieß es nur, wer schon jetzt seine Kandidatur erkläre, dem müsse klar sein, dass für ihn der Sommer vorbei sei.

Deshalb dürfte es erst ganz zum Schluss, so um den 25. August, noch einmal lebhaft werden bei der Kandidatenanmeldung. Die politischen Schwergewichte wollten erst einmal abwarten, wer sich so alles melde, heißt es. Das erinnert an Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Schwergewichte könnten auch noch in der Nacht zum 1. September von einem – womöglich ihrem – Landesverband nominiert werden. Bei solchen Überlegungen fällt mit schöner Regelmäßigkeit der Name des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil, der zumindest ein Übergangsvorsitzender sein könnte. Überhaupt die Niedersachsen. Sie werden wohl noch eine große Rolle spielen. Boris Pistorius, der Innenminister, würde wohl gern, auch Lars Klingbeil, der Generalsekretär. Schließlich wird noch Familienministerin Franziska Giffey genannt, über der allerdings das Damoklesschwert ihrer Doktorarbeit hängt. Die Freie Universität in Berlin prüft und prüft. Einer aus der Fraktionsführung sagt sogar: „Wenn es hart auf hart kommt, steht Manuela Schwesig bereit, auch wenn sie erst einmal nein gesagt hat.“

Was wird mit der Groko?

Derzeit starrt alles auf den Einsendeschluss. Aber erst danach geht es ja richtig los mit der Kandidatenkür. Christina Kampmann spricht von einem lebendigen und offenen Verfahren: „Ja, es wird anstrengend, aber auch richtig gut.“ Sie freue sich drauf. Ihr Partner Roth setzt hinzu: „Was die SPD macht, macht sie auch gleich 150-prozentig. Das Auswahlverfahren dauert länger als ein Bundestagswahlkampf.“ Auch Lauterbach und Scheer sagen, das ganze Verfahren sei toll, eine echte Wahl für die Mitglieder. 23 Regionalkonferenzen innerhalb von sechs Wochen und in allen Bundesländern sind geplant, die erste wird in Saarbrücken sein. Ein „Husarenritt“, wie einer sagt, bei dem die ganze Partei durcheinandergewirbelt werde. Als eines der Parteivorstandsmitglieder in der letzten Sitzung vor der Sommerpause in die Runde hinein fragte, wer das eigentlich durchstehen solle, antwortete das provisorische Führungs-Trio: „Wer SPD-Vorsitzender werden will, steht das durch.“

Abgesehen von der Logistik und dem Kräftehaushalt der Beteiligten, die entscheidende Frage für die Partei wird sein: Geht es schon im September nur noch um die Koalition oder vielleicht doch noch um anderes? Roth meint: „Es wäre schlimm und traurig, wenn die Frage Groko den ganzen Prozess dominieren würde. Die Ursachen für die Krise der SPD sind vielfältiger.“ In jedem Fall gilt derzeit die Faustregel, dass die kleinen Landesverbände eher gegen die Groko sind, die größeren dafür. So vielstimmig es bei den Sozialdemokraten auch zugeht, die meisten sind sich in einem einig: Wer immer für den Vorsitz kandidiert, ist gut beraten, über die Groko nicht vorschnell zu urteilen, sondern diese Entscheidung dem Parteitag im Dezember zu überlassen. Lauterbach indes will auch über die Groko-Frage beim Mitgliederentscheid abstimmen lassen. Eine Stimmung gegen die Groko würde ihm schließlich im innerparteilichen Machtkampf helfen.

426.352 Mitglieder hat die SPD. Sie ist damit nach wie vor eine große Volkspartei. Wer bis zum 16. September eintritt, darf bei der Mitgliederbefragung mitmachen. Am 26. Oktober gibt’s das Ergebnis.

Weitere Themen

Die Sorgen des Sonnyboys

Parlamentswahlen in Kanada : Die Sorgen des Sonnyboys

Vor den anstehenden Parlamentswahlen in Kanada liegen Liberale und Konservative gleichauf. Da große Streitthemen fehlen, kommt es zu persönlichen Angriffen. Die Wahl wird zu einem Referendum über Justin Trudeau.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.