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SPD-Vorsitz : Wer könnte der Messias sein?

Was die Paare gemeinsam haben: Der Mann hat sich die Frau gesucht. Außerdem erzählen sie geradezu überschwänglich davon, wie groß Zuspruch und Unterstützung für sie seien. Die Unterschiede: Roth und Kampmann haben schon die Unterstützung des Bezirksverbandes Hessen-Nord, Lauterbach und Scheer fehlt die erforderliche Unterstützung von vier Kreisverbänden oder einem Landesverband noch, auch wenn das eher eine Formalie ist wegen der sommerlichen Gremienpause. Wirklich entscheidend ist eine andere Differenz: Lauterbach und Scheer wollen die Partei nach links rücken und aus der Koalition mit der Union herausführen wie Moses sein Volk aus der ägyptischer Knechtschaft. Scheer sagt: „Wir merken an den Rückmeldungen, dass wir einen Nerv getroffen haben.“ Wichtig sei die inhaltliche Ausrichtung mit den großen Themen Klimawandel, Energiewende, starke Daseinsfürsorge und öffentliche Sicherheit. „Kurzum, die Sicherung unserer Lebensgrundlagen. Es geht dabei um eine gemeinwohlorientierte Ökonomie. Das sind Gerechtigkeitsfragen, das müssen wir sozialdemokratisch durchbuchstabieren. Mit dieser Koalition kommen wir da aber nicht weiter.“

Die Männer sind bekannter

Das Team Roth und Kampmann hingegen sieht das Thema Koalition „differenziert“. Roth sagt: „Ich verstehe die Ermüdung und Enttäuschung in Teilen der Partei. Wir sind in diese Koalition gedrängt worden, und wir erleben, dass sich unsere gute Regierungsarbeit bislang nicht auszahlt.“ Durchhalteparolen dürfe es nun nicht mehr geben. Dafür zentrale Forderungen, was die Groko noch erreichen müsse: ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz bis Jahresende und Unterstützung für die weitreichenden europapolitischen Vorstellungen der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, „die in der Union, also ihrer eigenen Partei, auf Widerstand stoßen“. Partnerin Kampmann setzt eine dritte Forderung hinzu: eine Kindergrundsicherung.

Vergleicht man das publizistische Echo, so müsste das Duo Lauterbach und Scheer das Rennen machen. Aber auch hier fällt auf: Die Männer sind bekannter, während die Namen der Frauen nicht immer allen gleich einfallen wollen.

Die SPD sucht einen Vorsitzenden.

Was die tatsächlichen Chancen der beiden Paare anbelangt, so bemerkt ein SPD-Landesvorsitzender kühl: „Früher Spargel wird gestochen.“ Die Kandidaten sollten nicht verkennen, wie erheblich die Anforderungen an das Amt seien: „Man muss der großen Verunsicherung in der Partei Rechnung tragen, sie hinter sich bringen, Debatten aushalten und für Ruhe sorgen.“ Nicht der laute Resonanzraum der Funktionärsschicht sei entscheidend, sondern die Basis. „Die SPD ist immer noch eine große Kommunalpartei. Da sagen viele: Wir müssen auch die Macht haben, etwas durchzusetzen, und wir haben noch so viel auf dem Zettel.“

Ein Überraschungskandidat?

Auch andere sehen das Amt des Parteivorsitzenden zwar nicht als das zweitschönste nach Papst (Müntefering), aber als eines mit enormem Anspruch. Manja Schüle aus Brandenburg etwa, die einzige direkt gewählte Bundestagskandidatin der SPD in Ostdeutschland (Berlin ausgenommen), sagt: „Mutig soll die neue Führung sein, durchsetzungsstark, kreativ, bodenständig, sympathisch, integer. Ganz schön viel verlangt. Aber ich bin mir sicher, wir werden am Ende ein gutes Paar oder einen guten Einzelkandidaten haben. Vielleicht sogar einen Überraschungskandidaten.“ Und einer aus dem Parteivorstand meint: „Wir brauchen eine starke Kraft an der Parteispitze, die auch Stimmungen erspürt und wie man die Wähler wieder erreicht.“

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