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Internat Schloss Salem : Erziehung zur Verantwortung

Geschichtsträchtig mitten im Grünen: Das Kloster Salem bietet Schülern selbst in Pandemie-Zeiten einzigartige Möglichkeiten. Bild: Daniel Pilar

Bewährungsprobe zum hundertsten Geburtstag: Die Schule Schloss Salem würde in diesen Tagen ihr Jubiläum begehen, doch wegen des Virus können viele Schüler nicht mal anreisen.

          9 Min.

          Die Corona-Krise ist für ein Internat wie Salem eine echte Bewährungsprobe. Draußen blühen die Obstbäume und die Magnolien, Schloss Salem liegt eingebettet in die hügelige Bodensee-Landschaft und bietet einen heimeligen Kontrast zu den täglichen Corona-Nachrichten. Trotz der Aussetzung der Schulpflicht waren bis zu den baden-württembergischen Osterferien noch 150 der 600 Schüler an allen drei Standorten anwesend. Sie konnten nicht nach Hause, weil die Grenzen geschlossen waren, oder zogen es vor, in der gewohnten Schulgemeinschaft zu bleiben. An den drei Standorten Schloss Salem für die Klassenstufen 5 bis 10, die 11. und 12. Klassen in Schloss Spetzgart und Campus Härlen sind über die Osterferien nur noch 50 Schüler aus aller Welt. Wer sich von den deutschen Schülern entschieden hat, nach Hause zu gehen, muss dort bleiben, bis der Schulbetrieb wiederaufgenommen wird.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          So hat die Schule es trotz der Dreier- und Viererzimmer geschafft, alle Schüler infektionsfrei zu halten. Wer bei den Schülern Grippesymptome zeigte, musste in Quarantäne und wurde getestet. Drei bestätigte Infektionsfälle gab es nur unter den Lehrern oder Mentoren. Vergleichsweise unaufgeregt und mit konsequenter Quarantäne hat die Schulleitung dafür gesorgt, dass sich die Infektion nicht ausbreitet. „Indem wir uns wie ein Raumschiff abgekapselt haben, konnten wir eine gewisse Normalität pflegen“, berichtet Schulleiter Bernd Westermeyer. „Wir haben zwanzig Elternbriefe in dieser Zeit geschrieben“, und die Eltern haben sich gut informiert gefühlt. Eigentlich hätte die Schule in diesen Tagen ihr hundertjähriges Bestehen feiern wollen, doch daran ist derzeit nicht zu denken. Stattdessen sind Lehrer dabei, sich auf die Rückkehr einiger inländischer Schüler einzustellen, mit denen sie Präsenzunterricht machen können, und diejenigen, die wegen geschlossener Grenzen weiterhin nicht einreisen können, digital zu unterrichten, sofern das technisch möglich ist. Noch sollen die Abiturprüfungen stattfinden, die Prüfungen für das International Baccalaureate (IB) sind nach einem internationalen Beschluss abgesagt.

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