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Missbrauch von Ordensfrauen : Damit der Kopf durch die Wolken dringt

Die Silhouetten einer Gruppe Nonnen. (Symbolbild) Bild: dpa

In der katholischen Kirche kommen immer mehr Fälle von sexuellen Übergriffen ans Licht. Dass mit Verbrechen dieser Art überall auf der Welt zu rechnen ist, war schon in den neunziger Jahren bekannt. Allen, die es wissen wollten.

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          Vor mehr als zwanzig Jahren begann der Benediktinerpater Anselm Grün einen Buchbeitrag mit den Worten: „In der Begleitung vor allem von Ordensfrauen stoße ich in den letzten zehn Jahren immer wieder auf das Phänomen des sexuellen Missbrauchs.“ Oft genug, so der noch heute im fränkischen Münsterschwarzach lebende Ordensmann, sei die Erfahrung sexueller Gewalt bewusst oder unbewusst eines der Motive gewesen, die eine Frau in den Orden geführt hätten – um sich vor der Sexualität der Männer zu schützen und in einem gottgeweihten Leben die verletzte Würde wiederzuerlangen. Die Täter, die Grün beschrieb, entstammten – wie in Deutschland die Regel – dem engsten familiären Umfeld: Väter, nahe Verwandte, Freunde. Allerdings sprach er auch mit Frauen, die von Priestern im Rahmen der Seelsorge missbraucht worden waren. Die „spirituelle Verwirrung“, die zu der körperlichen Gewalterfahrung hinzukommt, sei „sicher eine der schwersten Verletzungen, die man einem Menschen zufügen kann“.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Nicht dass die Zeit über Lebensgeschichten wie diese hinweggegangen wäre. Aber unter dem Eindruck immer neuer Berichte über sexualisierte Gewalt gegenüber Minderjährigen und Schutzbefohlenen in Kanada, den Vereinigten Staaten oder Irland richtete sich die gesellschaftliche und auch innerkirchliche Aufmerksamkeit seit den späten neunziger Jahren vor allem auf Fragen des Kinderschutzes. So ist es bis heute. Das Schicksal von Frauen trat dahinter zurück – auch das der Ordensfrauen, die als Erwachsene Opfer sexualisierter Gewalt wurden und werden. Und das auch von Priestern und Bischöfen, ja selbst von Mitschwestern.

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