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Klausurtagung in Hamburg : Die Suche der Grünen nach neuen Ankern

Die Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock (links) und Robert Habeck mit der Spitzenkandidatin für die Hamburger Bürgerschaftswahl, Katharina Fegebank. Bild: dpa

Der Grünen-Vorstand trifft sich zur Klausurtagung in Hamburg. Geht es nach ihnen, soll dort im Februar erstmals eine Frau ins Rathaus einziehen – und ein Gegenmodell zu Winfried Kretschmann werden.

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          Der Ort ist mit Bedacht gewählt. Im Hintergrund liegt das große Schwimmdock elf der Hamburger Werft Blohm und Voss. Dutzende Hafenkräne sind im Einsatz, ein Containerschiff fährt ein. Früher war den Hamburger Grünen ein angespanntes Verhältnis zum Hafen nachgesagt worden. Sie sahen den Dreck, das Öl, fürchteten die Zerstörung des Ökosystems durch die Elbvertiefung. Nun steht Katharina Fegebank, die Spitzenkandidatin der Hamburger Grünen für die Bürgerschaftswahl, in einem kleinen Park oberhalb des Fischmarkts. Sie sagt: „Wir sind an einem der schönsten Orte hier in Hamburg, der die alte Stärke zeigt.“ Doch der Hafen soll auch Teil der ökologischen Transformation sein, die die Grünen anstreben. In Fegebanks Worten hört sich das so an: Der Hafen soll „Teil der neuen Stärke sein, Teil des neuen Innovationsmotors“. Tags darauf, am Dienstag in einer Pressekonferenz, sagt sie: „Wir sind alle unglaublich stolz auf unseren Hafen“, er sei ein Identifikationsanker.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          An der Elbe, im scharfen Westwind, steht Fegebank zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck, den beiden Parteivorsitzenden. Die grüne Parteispitze ist für ihre Klausurtagung zum Jahresauftakt nach Hamburg gekommen; am 23. Februar wird hier die Bürgerschaft gewählt. Die Grünen kämpfen um Platz eins, Katharina Fegebank, die Wissenschaftssenatorin, soll Erste Bürgermeisterin werden, die „erste Erste Bürgermeisterin“, wie es bei den Grünen scherzhaft heißt. 199 Männer hat die Stadt schon auf diesem Posten gesehen, keine einzige Frau. Bislang.

          Eigentlich sollte die Grünen-Klausur in Berlin stattfinden. Erst Mitte Dezember hieß es dann, der grüne Vorstand fahre doch in die Hansestadt. „Wir unterstützen den Wahlkampf, weil es für uns Grüne mit dieser Wahl die Chance gibt, eine zweite grüne Ministerpräsidentin zu stellen“, sagt Baerbock. Seit 2011 regiert in Baden-Württemberg ein Grüner, Winfried Kretschmann. Die grüne Spitze wird zwar nicht müde, ihn als den besten Ministerpräsidenten zu loben, doch dass es immer mal wieder Spannungen gibt, ist nicht zu übersehen. Das hat nicht nur damit zu tun, dass Kretschmann die Bundesgrünen mit Empfehlungen für eine Kanzlerkandidatur nervt. Er geht auch inhaltlich Sonderwege, wie beispielsweise bei der Frage der sicheren Herkunftsländer. Im Bund wollen die Grünen dem Eindruck entgegenwirken, eine grüne Regierungsführung funktioniere nur auf die baden-württembergische Art. Baerbock spricht das offen an. Wenn die Grünen nicht nur in einem „konservativer geprägten Flächenland, sondern in einer liberalen Großstadt“ regierten, könnten sie deutlich machen, dass die ökologische Frage und die soziale Frage zusammen umgesetzt werden könnten.

          Die Grünen auf dem Weg zum politischen Vollsortimenter?

          Der Bundesvorstand hat in den zwei Tagen an der Elbe Beschlüsse zur Wirtschafts- und Sozialpolitik gefasst. Die Themen standen schon im Mittelpunkt des Parteitags im November in Bielefeld. „Wir wollen strukturell in die Breite gehen, das ist unser Anspruch in diesem Jahr“, sagt Habeck am Dienstag. Viele Menschen zeigten Neugier und Interesse an den Grünen, wüssten aber nicht, ob die Partei auch das entsprechende Angebot für sie habe, sagt Fegebank. Die Partei bemüht sich seit längerer Zeit darum, politischer Vollsortimenter zu werden, um in möglichst viele Milieus vorzudringen.

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