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Zweite Volkspartei? : Wie die Grünen von der CSU das Siegen lernten

So sehen Wahlsieger aus: Die Grünen feiern am Sonntag in München mit „Stagediving“. Bild: EPA

So wie Stoiber einst das Lied von Laptop und Lederhose sang, so haben die Grünen auf dieselbe Melodie einen neuen Refrain gedichtet: Bio und Bayern. Es könnte sich als das Fundament des Aufstiegs zu einer zweiten Volkspartei erweisen. Ein Kommentar

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          Seit mehr als dreißig Jahren sind die Grünen im Bayerischen Landtag eine feste Größe – doch so groß wie am Sonntag wurden sie noch nie. Aus der kleinsten Fraktion wurde die zweitstärkste. Dabei vertreten die Grünen auf Feldern wie der Energiewende, der Verkehrs- und der Sozialpolitik Positionen, die noch vor fünf Jahren als unpopulär galten. Und „refugees welcome“ klingt noch immer eher nach Multikulti als nach einem Einwanderungsgesetz.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Wenn die Grünen ihren Stimmenanteil dennoch verdoppeln konnten, so deswegen, weil sie von der CSU das Siegen gelernt haben. So wie einst Edmund Stoiber das Lied von Laptop und Lederhose sang, so haben sie auf dieselbe Heimatmelodie einen neuen Refrain gedichtet: Bio und Bayern. Angestimmt werden kann der auf dem Land wie in der Stadt.

          Klabautermann und alpine Kletterer

          Dort der Protest gegen Flächenfraß und der Profit durch die Energiewende, hier ein urbanes, wohlstandsgesättigtes Lebensgefühl, dem das von Söder an die Wand gemalte Gespenst der Unregierbarkeit Bayerns etwa so viel Angst einjagt wie der Klabautermann einem alpinen Kletterer. Denn im benachbarten Baden-Württemberg wie in Hessen haben die Grünen bewiesen, dass sie Regierung „können“ – gerade mit der CDU. Das machte sie am Sonntag auch für viele taktische Wähler attraktiv.

          Auf der linken Seite des politischen Spektrums zogen sie Bürger an, die ihre Stimme mangels einer Machtoption nicht an die SPD verschwenden wollten. Für bürgerlich-liberale, ja selbst katholisch-konservative Wähler boten sich die Grünen an als Gegengewicht zu einer CSU, die mit ihrer ressentimentgesättigten Rhetorik eher um potentielle AfD-Wähler buhlte als um Christen im Zwiespalt zwischen Nächstenliebe und Rechtsstaatlichkeit und die nicht davor zurückschreckte, das Kreuz als Zentralsymbol des christlichen-universalistischen Glaubens als Waffe im innenpolitischen Stellungskrieg zu missbrauchen. Eine homogene Wählerschaft trägt die Grünen also nicht. Aber Heterogenität sollte einstweilen deren Problem nicht sein. Denn darin ähnelt die Partei mehr als allen anderen der CSU. Was heute gewonnen ist, kann bald wieder zerrinnen – oder sich als Fundament des Aufstiegs von einer Traditions- zu einer zweiten Volkspartei erweisen.

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