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Frauenrechte : Wie die Gleichberechtigung ins Grundgesetz kam

  • -Aktualisiert am

23. Mai 1949: Elisabeth Selbert unterzeichnet das Grundgesetz. Bild: Bestand Erna Wagner-Hehmke, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Vor 70 Jahren hat Deutschland sein Grundgesetz bekommen. Dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ darin enthalten ist, ist vor allem einer Frau zu verdanken. Eine Erinnerung an Elisabeth Selbert.

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          Es muss frustrierend für Elisabeth Selbert gewesen sein. „In meinen kühnsten Träumen habe ich nicht erwartet, dass dieser Antrag abgelehnt würde. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man […] den Frauen die Gleichberechtigung auf allen Gebieten geben muss“, erklärte sie Ende 1948. Kurz zuvor, am 3. Dezember, hatte man im Parlamentarischen Rat, der sich zur Ausarbeitung des Grundgesetzes im noch besetzten Deutschland traf, gegen ihre Formulierung des Artikel 3 Absatz 2 gestimmt. Geht es nach Elisabeth Selbert, sollte dieser genau fünf Worte umfassen: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dass man den Vorschlag zunächst ablehnte, war für sie nicht hinnehmbar. Sie wehrte sich – mit Erfolg. Der Parlamentarische Rat stimmte Elisabeth Selberts Vorschlag am 18. Januar 1949 schließlich zu. Später bezeichnete sie diesen Tag als die „Sternstunde ihres Lebens“.

          Susanne Selbert ist Landesdirektorin des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen – und die Enkeltochter von Elisabeth Selbert. Über ihre Großmutter spricht sie in regelmäßigen Vorträgen, Anekdoten erzählt sie routiniert. „Sie war eine sehr mutige Frau. Der Artikel 3 Absatz 2 ist einzig und allein ihr zu verdanken“, sagt sie. Susanne Selbert ist stolz auf ihre Großmutter. Eine ernsthafte Frau sei sie gewesen, das zeigen auch Fotos. Mit zurückgekämmten Haar blickte sie meist streng in die Kamera. Elisabeth Selbert war klug, zurückhaltend, bescheiden – und erfolgreich.

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