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Arabische Großfamilien : Wie die Berliner Polizei gegen kriminelle Clans kämpft

Aufruhr im Kiez: Auch in das Café „Dolphin´s“ auf der Hermannstraße dringen die Beamten ein. Bild: Jens Gyarmaty

In Neukölln haben sich arabische Familien eine Welt aufgebaut, in der sie sich ihre eigenen Regeln geben. Während anderswo in Berlin noch darüber diskutiert wird, ob der Begriff „Clans“ diskriminierend sei, versucht der Staat, sich wieder Respekt zu verschaffen.

          8 Min.

          Es ist Freitag Abend in Neukölln, und die Staatsmacht hat ihre Kräfte gebündelt, um sich zurückzumelden im Unterholz der Großstadt. Schattenwirtschaft, Geldwäsche, Drogen, Glückspiel und Prostitution, das alles kontrolliert von ethnisch organisierten Clans, die das Viertel unter sich aufgeteilt haben. Ein knappes Dutzend Polizisten der örtlichen Wache, etwa ebenso viele Leute vom Ordnungsamt, dazu ein Mitarbeiter der Bezirksbürgermeisterin, eine Frau vom Wohnungsamt, zwei Beamte der AGIA, wie die Ausländerpolizei heute heißt, und eine Staatsanwältin. „Schwerpunkteinsatz“ nennt man das in Neukölln – alle Behörden ziehen an einem Strang, um dem Recht wieder Geltung zu verschaffen. Cafés, Shisha-Bars, Spielhöllen und illegale Bordelle stehen an diesem Abend auf dem Programm.

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          Wo der Chef sei, wird im „Cafe easy“ der Mann hinter der Theke gefragt. Der guckt verdutzt und stammelt etwas in seinen langen, grauen Schnauzbart. Wo der Chef sei, wisse er nicht. Er stehe hier nur kurz als Aushilfe. Vielleicht komme der Chef bald, vielleicht aber auch nicht. Und nein, er wisse auch gar nicht, wie der Chef heißt. Ein Fernseher zeigt Fußballspiele, auf der Theke stößt ein Teekocher kleine Dampfwolken in den Raum. Der Kühlschrank hinter der Bar ist fast leer. Im „Cafe easy“, das wird schnell klar, steht der Getränkeumsatz nicht im Vordergrund.

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