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Desinformation im Netz : Die Verführung des Wählers

Sieht sich ihrer Kür zur Kanzlerkandidatin der Grünen mit einer Verleumdungskampagne konfrontiert: Annalena Baerbock Bild: EPA

Falschmeldungen und Propaganda breiten sich in Windeseile im Netz aus. Auch Annalena Baerbock war zuletzt Ziel einer Verleumdungskampagne. Vor der Bundestagswahl ist das besonders gefährlich. Wie gut ist Deutschland für diese Angriffe gerüstet?

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          Keine Nachricht liegt zu fern, als dass sie die Massen nicht aufstacheln könnte. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder habe sich bei der Corona-Impfung vorgedrängelt, wird behauptet. Nicht nur zweimal, wie für den vollen Impfschutz ausreichend wäre, sondern siebenmal. Auf Facebook kochen Abscheu und Empörung hoch. Hier entlädt sich allgemeine Wut auf Politiker, gemischt mit Frust über die Pandemie und Neid auf Geimpfte. Da spielt es keine Rolle, dass die Fotos, die diese Ungeheuerlichkeiten belegen sollen, von früheren Impfungen stammen, gegen Zeckenbisse und gegen die Grippe.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.
          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Auch der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock wird leicht entflammbare Kost untergeschoben. Seit ihrer Kür zur Kanzlerkandidatin ist eine regelrechte Verleumdungskampagne angelaufen, manipulierte Belege inklusive: Mal wird ihr eine Vergangenheit als Nacktmodell angehängt, dann soll sie Parteifreunde ohne Maske umarmt haben, ihr Uni-Abschluss wird angezweifelt. Baerbock will angeblich Haustiere verbieten, um CO2 einzusparen, und die Witwenrente abschaffen, um das Geld für die Integration von Flüchtlingen auszugeben. Die erfundenen Zitate wurden über soziale Netzwerke schnell und zielgerichtet verbreitet, was dafür spricht, dass die Angriffe gesteuert werden. Der Kreml steht im Verdacht, wie die Bild-Zeitung berichtet. Die Grünen-Politikerin bekommt mittlerweile Personenschutz.

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