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Hygienekonzepte an Schulen : Wie der Unterricht nach den Ferien gelingen soll

Nach den Ferien werden sich Schüler häufiger als früher die Hände desinfizieren müssen. Bild: dpa

Nach den Sommerferien sollen die Schüler wieder täglich in die Klassen gehen. Was wird sich ändern? Und wer darf weiter zuhause bleiben?

          3 Min.

          Weil die Infektionszahlen in Deutschland niedrig sind, hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) im Juni beschlossen, nach den Sommerferien zum Regelbetrieb in den Schulen zurückzukehren, sofern das weitere Infektionsgeschehen das zulässt. Sowohl die Länder als auch jede einzelne Schule haben für zwei weitere Szenarien Vorkehrungen getroffen: für einen Wechsel von Präsenz – und Onlinebeschulung und für die Rückkehr zur Online-Beschulung.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Der im Juni angekündigte gemeinsame „Rahmen für aktualisierte Schutz- und Hygienemaßnahmen, die dem Arbeitsschutz Rechnung tragen“, ist am Dienstagabend von den Kultusministern beschlossen worden. Er dient den Ländern als Orientierung bei der Überarbeitung der schulischen Hygienepläne für das kommende Schuljahr. Details regeln sie selbst.

          Die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte, „es ist unsere Aufgabe, das Recht auf Bildung mit den notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Verbreitung des Coronavirus in Einklang zu bringen. Das machen wir mit dem gemeinsamen Rahmenplan.“ Ein möglichst weitgehender Normalbetrieb in Präsenzform könne nur dann funktionieren, wenn die Schulen vor Ort die geltenden Hygienemaßnahmen auch einhielten.

          Lüften vor und nach jeder Stunde

          Dazu gehören auch nach der neuesten Fassung der Verzicht auf Körperkontakt wie Umarmungen und Händeschütteln, die Einhaltung der Husten- und Nies-Etikette, eine gründliche Händehygiene und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb des Klassenraums, wie von einigen Ländern vorgesehen.

          Weil man inzwischen weiß, welche große Rolle Aerosole und Atemluft bei der Übertragung spielen, sollen alle Klassenzimmer spätestens vor und nach jeder Unterrichtsstunde über eine Stoß- oder Querlüftung mit Frischluft versorgt werden. Alle Räume sollen außerdem regelmäßig gereinigt werden. In den Sanitärräumen sollen außerdem ausreichend Flüssigseifenspender und Einmalhandtücher in einem Umfang bereitgestellt werden, die eine regelmäßige Händehygiene ermöglichen.

          Auch wenn die Abstandsregeln für den Unterricht aufgehoben sind, soll bei Konferenzen, Besprechungen und schulbezogenen Veranstaltungen der Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. „Grundsätzlich bestehen angesichts der derzeitigen Infektionslage hinsichtlich des gesamten schulischen Personaleinsatzes keine Einschränkungen“, heißt es bürokratisch im KMK-Papier.

          Wer zur Risikogruppe gehört, müssen Ärzte entscheiden. Lehrer, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, müssen ihrer Dienstpflicht von zuhause aus oder aus einem geschützten Bereich nachkommen – also auch Schüler betreuen, die ihrerseits nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können. Schüler mit Grunderkrankungen können von der Pflicht, am Unterricht teilzunehmen, befreit werden, wenn der Arzt die Erkrankung bescheinigt. Sie bekommen dann ein entsprechendes Online-Angebot.

          Lauterbach kritisiert „Konzeptlosigkeit“

          Um Infektionsketten bei möglichen Infektionen in Schulen rasch unterbrechen zu können, müssen die Schulen wissen, wer mit wem Kontakt hatte, also darauf achten, dass die Lerngruppen sich nicht mischen und in den Pausen auch für sich bleiben. Sowohl der Verdacht als auch eine Infektion muss die Schule dem Gesundheitsamt und der Schulaufsicht melden. Über Teststrategien unter Schülern, Lehrern und Schulpersonal entscheiden die Länder. Sachsen, Baden-Württemberg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und andere Länder wollen ihren Lehrern und dem Schulpersonal Tests anbieten oder testen schon.

          Unterdessen hat der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, der Bundesbildungsministerin „Konzeptionslosigkeit“ bei den Schulöffnungen vorgeworfen, für die allerdings nicht Anja Karliczek (CDU) zuständig ist; es sind die Länder, die nun abermals einen nationalen Rahmen für die Schulöffnungen vorgelegt haben.

          Einheitliche Detailregelungen könne es allerdings schon deshalb nicht geben, weil die Infektionszahlen in den Ländern und Orten unterschiedlich seien und auch blieben, hieß es bei der KMK. So hat der Rostocker Hygieniker Andreas Podbielski der Landesregierung angesichts der sehr niedrigen Infektionsraten im Nordosten zu einem mutigeren Umgang mit Öffnungen von Kitas und Schulen geraten. Er schlug vor, an ausgewählten Einrichtungen einen Regelbetrieb ohne alle Einschränkungen laufen zu lassen, um zu schauen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickle.

          „Wir werden das Sars-CoV2-Virus nicht mehr loswerden, es wird künftig zu den ganz normalen Erregern gehören“, sagte Podbielski der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb sei es wichtig, gerade in Schulen und Kindergärten zum normalen Leben zurückzukehren.

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