https://www.faz.net/-gpf-aaqxx

K-Frage der Union : Wie Franz Josef Strauß 1979 Kanzlerkandidat wurde

  • -Aktualisiert am

Die Rivalen Ernst Albrecht (links) und Franz Josef Strauß prosten sich in München zu Beginn des Bundestagswahlkampfes 1980 zu Bild: SZ Photo

Auf Drängen der CSU entschied 1979 die Bundestagsfraktion der Union über den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU. Aus dem Ergebnis können die beiden Parteien eine Lehre ziehen.

          3 Min.

          Am 2. Juli 1979 hat die CDU/CSU-Fraktion des Bundestages den fragwürdigsten Beschluss in ihrer Geschichte gefällt. Die damals Anwesenden sind längst im Ruhestand, viele sind schon gestorben. In der Erinnerungsliteratur beschreiben die einen ihren Triumph, die anderen suchen ihre Niederlage zu mildern. Nur Historiker wie der CDU-Forscher Hans-Peter Schwarz, die allerdings nicht anwesend waren, lassen die Härte der Auseinandersetzung erkennen. Sie wird als „Feldschlacht“ bezeichnet, die „um 16.03 beginnt und um 23.23 Uhr endet“. In diesen Stunden galt die Aufmerksamkeit dem Gesicht des Fraktionsvorsitzenden Helmut Kohl – mit der Frage des jungen Politikwissenschaftlers: Wie hält er das durch, wie bewältigt er das?

          Was ist geschehen? Im Frühjahr hatte der CDU-Vorsitzende Kohl erkannt, dass er keine Aussicht habe, unangefochten zum Kanzlerkandidaten der Union gekürt zu werden. Denn der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß verübelte ihm noch immer seine einseitige Ausrufung zum Kanzlerkandidaten vier Jahre zuvor, darüber hinaus hielt er ihn grundsätzlich „charakterlich und geistig“ für ungeeignet. Zugleich waren die Umfragezahlen für Kohl wie für die Unionsparteien nicht gut. Also schlugen Kohl und die CDU-Führung den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der in den Medien gehätschelt wurde, zum Kanzlerkandidaten vor. Dies erzürnte Strauß doppelt, denn er hatte dabei nicht mitbestimmen können.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Das WoHo will ein inklusiver Typ sein mit Angeboten für die Nachbarn.

          WoHo Berlin : Das turmhohe Dorf

          Das WoHo in Berlin soll Deutschlands höchstes Wohnhaus aus Holz werden. Doch interessant ist das Vorhaben aus einem ganz anderem Grund.
          Eine Erinnerung an unbeschwerte Zeiten

          Corona-Pandemie : Jetzt sind die Jungen dran

          Mehr als ein Jahr lang haben junge Leute auf vieles verzichtet, um die Alten vor Corona zu schützen. Das Land schuldet ihnen nun etwas.
          Liz Cheney vor der ersten Rede von US-Präsident Joe Biden vor beiden Kammern des Kongresses im Kapitol am 28. April

          Republikanische Kritikerin : Liz Cheney soll dem Trump-Kult weichen

          Eine der wenigen republikanischen Trump-Kritikerinnen soll ihren Posten an der Fraktionsspitze räumen. Der Fall Liz Cheney zeigt, wie fest der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten die Partei weiter im Griff hat.