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Kirchenasyl rettet Flüchtlinge : Vorübergehend vor dem Schlimmsten bewahrt

Flüchtlinge in einer Hamburger Kirche (2013) Bild: dpa

Kirchenasyl ist für abgelehnte Bewerber oft die letzte Möglichkeit. Kritiker sagen, das höhle den Rechtsstaat aus – die Kirchen verwahren sich dagegen. Worum es geht, zeigt dieser Fall.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Es ist ein grauer Nachmittag, auf dem Gelände der evangelischen Frankfurter Gemeinde Cantate Domino herrscht buntes Treiben. Gerade geben Mitarbeiter das Essen an Bedürftige aus, auf dem Spielplatz toben Kinder, Jugendliche sind zur Hausaufgabenbetreuung hergekommen. Und mittendrin sitzt ein junger Mann, neben ihm ein Herr mit goldener Brille. Gemeinsam beugen sie sich über ein Aufgabenheft. „Da muss noch ein Komma hin“, sagt der Ältere. Doch anders als die anderen Jugendlichen kann Robel Selam, der in Wahrheit anders heißt, nach dem Unterricht nicht einfach nach Hause gehen. Wenn er das Gelände verlässt, könnte er festgenommen werden. Selam lebt im Kirchenasyl. Es ist die einzige Möglichkeit für den jungen Eritreer, hierzubleiben.

          Das Kirchenasyl ist – wenn man so will – eine Grauzone im deutschen Asylrecht. Einerseits werden damit staatliche Entscheidungen umgangen oder aufgeschoben, andererseits gibt es auch dafür ein geregeltes Verfahren zwischen Kirchen und Verwaltung. Die einen kritisieren das Kirchenasyl darum als Instrument, mit dem der Rechtsstaat geschwächt werde, andere halten es für einen Ausweis von Mitmenschlichkeit. In Deutschland lebten zuletzt 532 Personen im Kirchenasyl, 486 davon waren sogenannte Dublin-Fälle. Das bedeutet, die Asylsuchenden sollen nach dem Dublin-Verfahren in den EU-Mitgliedstaat abgeschoben werden, in dem sie zuerst registriert wurden.

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