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Organisierte Kriminalität : Grenzenlose Großfamilien

Berlin: Ein Graffiti des ermordeten Intensivtäters Nidal R. wird am Tempelhofer Feld unter Polizeischutz übermalt. Bild: dpa

Kriminelle Großfamilien agieren weit über die lokalen Stadtgrenzen hinaus, ihre Verbindungen reichen bis ins Ausland. Nun will das BKA stärker gegen Clan-Kriminalität vorgehen – und deren Netzwerke genau unter die Lupe nehmen.

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          Als im September vergangenen Jahres der in Neukölln erschossene Intensivtäter Nidal R. auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Friedhof im Berliner Bezirk Schöneberg beigesetzt wurde, gaben sich 2000 Trauergäste aus dem In- und Ausland ein Stelldichein. Es waren zahlreiche Personen, die den anwesenden szenekundigen Polizeibeamten gut bekannt waren.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Als die Trauergäste zum Friedhof gingen und ihn später wieder verließen, konnten die Beamten 128 Personen zweifelsfrei namentlich identifizieren, die direkt der organisierten Kriminalität zuzuordnen waren. Davon kannte die Polizei 101 Männer aus dem Bereich der Clan-Kriminalität, 27 gehörten kriminellen Rockergruppen an. Darüber hinaus wurden 18 Personen gesichtet, die zur islamistischen Szene gehörten. Das ergab vor einigen Wochen die Antwort der Senatsverwaltung für Inneres auf eine Anfrage des Berliner SPD-Abgeordneten Tom Schreiber. Zur Beerdigung, die gleichsam ein Schaulaufen der Clan-Größen war, kamen nicht nur Berliner. Viele, die als Kriminelle in Berlin für Schlagzeilen sorgen, haben Verwandte und Freunde etwa in Essen, Dortmund oder Bremen, aber auch in Brüssel, Kopenhagen oder Malmö.

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