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Religiöse Wähler : Alternative für Christus

Licht aus: Die AfD demonstriert vor dem Dom in Erfurt im Oktober 2015. Bild: Picture-Alliance

Hass schlägt den Kirchenleuten aus der AfD entgegen. Wie reagieren evangelische und katholische Wähler? Die Antwort ist kompliziert. Nicht jeder findet es gut, dass einige Bischöfe der AfD das Licht ausmachen.

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          Vor gut einem Jahr, am 28. Oktober 2015, gingen auf dem Erfurter Domberg zum zweiten Mal die Lichter aus. Denn unten auf dem Domplatz fand wieder eine Kundgebung der „Alternative für Deutschland“ (AfD) statt. Das katholische Bistum Erfurt wollte wieder verhindern, dass der Dom und die Severikirche eine „prächtige Kulisse“ für die AfD wird. Björn Höcke ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen. Auf dem Domplatz geißelte der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Thüringer AfD nicht nur Angela Merkels „politischen Amoklauf“ und kündigte an, die „politischen Irrläufer der Altparteien“ zu stoppen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der Initiator der „Erfurter Resolution“, in der dem „etablierten Politikbetrieb“ Technokratentum, Feigheit und Verrat an den Interessen Deutschlands vorgehalten werden, wandte sich auch an den „lieben Herrn Bischof Neymeyr“. Mit den Worten „Ihre multikulturelle Gesellschaft“ markierte er die Grenze zwischen der AfD und der verfassten Kirche.

          Die bedingungslose Unterstützung der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durch katholische wie evangelische Kirchenleute ist seit dem Sommer vergangenen Jahres Wasser auf die Mühlen der AfD. Für Empörung sorgen auch „gegen Rechts“ gerichtete Aufrufe, etwa „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ aus Anlass der diesjährigen „Interkulturellen Woche“ in Deutschland. Ein Dorn im Auge ist der AfD auch das Engagement von Caritas und Diakonie in Integrationsprogrammen und der Asylberatung von Flüchtlingen. Vor dem Leipziger Katholikentag im Mai warf der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron der katholischen und evangelischen Kirche vor, ihre Wohlfahrtsverbände machten „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“ ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise. Der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell sekundierte, die katholische Kirche sei ein „Asylindustrieverband“.

          Der Hass der AfD gegen Kirchenleute

          Welcher Hass Kirchenleuten mittlerweile aus der AfD entgegenschlägt, zeigte sich jüngst in Bamberg. Ende Oktober hatte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in einem Gesprächsforum in Nürnberg auf die Frage nach einem muslimischen Bundespräsidenten gesagt, er sehe dafür keine gesellschaftliche Mehrheit, doch sei diese Möglichkeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Schick wurde daraufhin im Internetauftritt der Bamberger AfD zur Zielscheibe jeder erdenklichen Beschimpfung. Er sah sich sogar mit Äußerungen konfrontiert, die als Morddrohungen angesehen werden konnten. Unter anderem war von „Pfaffengesindel“ die Rede, das „liquidiert“ werden müsse. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

          Auch das hatte Höcke im Oktober 2015 Bischof Neymeyr in das Dunkel des Erfurter Dombergs hinein zugerufen: „Herr Bischof, schauen Sie auf diesen Platz! Es ist Ihr Volk!“ Die Demonstranten skandierten reflexhaft: „Wir sind das Volk.“

          Bei der Bundestagswahl 2013 fehlten der damals von Bernd Lucke geführten AfD die Stimmen kirchlich gebundener Wähler. Andernfalls hätte die neue Partei die Fünfprozenthürde spielend überwunden. Seither hat die AfD in allen Landtagswahlen reüssiert. In Thüringen etwa stimmten am 14. September 2014 landesweit 10,6 Prozent der Wähler für die AfD – die katholischen Wähler wichen nach Berechnungen der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen nur marginal von dem Landesdurchschnitt ab. Zum Vergleich: Unter den Protestanten war die Zustimmung zur AfD mit neun Prozent geringer, unter den Konfessionslosen mit zwölf Prozent höher als im Durchschnitt.

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