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Religiöse Wähler : Alternative für Christus

Gegen „Gender Mainstreaming“ und „Frühsexualisierung“

Thüringen ist kein Einzelfall. Am 13. März 2016 in Baden-Württemberg fragte die Forschungsgruppe im Zuge der Nachwahlbefragung nicht nur nach Konfession, sondern auch nach dem Grad der Kirchenbindung. Das Ergebnis: Insgesamt kam die AfD auf einen Stimmenanteil von 15,1 Prozent. Die Katholiken hatten zu 13 Prozent für die AfD gestimmt, bei den Protestanten waren es 16 Prozent. Aber: Unter den Katholiken mit der höchsten Gottesdienstbesuchsfrequenz erhielt die AfD nur sieben Prozent der Stimmen, bei den entsprechenden Protestanten zwölf. Signifikant höher waren die jeweiligen AfD-Anteile bei Christen, denen ihre Kirchen wenig bis nichts mehr sagen. Katholiken dieser Gruppe wählten zu 14 Prozent AfD, bei den Protestanten waren es „nur“ 17 Prozent. Dass sich Christen beider Konfessionen von Programm und Politikern der AfD besonders abgestoßen fühlten, ist nicht der Fall.

Marsch für das Leben: Bei dem umstrittenen Protest gegen Abtreibung, Sterbehilfe und Präimplantationsdiagnostik sind auch AfD-Politiker zu finden.

Weil sie sich in ihrem Wahlverhalten kaum von dem Bevölkerungsdurchschnitt unterscheiden, sind sie auch in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen zu finden. Vieles spricht dafür, dass es nicht wenigen Katholiken und auch Protestanten gefällt, dass die AfD für den Schutz des werdenden Lebens eintritt, gegen „Gender Mainstreaming“ und „Frühsexualisierung“.

AfD innerhalb der Gemeinden zu finden

Bislang kann kein Meinungsforschungsinstitut die Frage präzise beantworten, was Christen bewegt, die AfD zu wählen oder sich in dieser Partei zu engagieren. Die ARD verzichtet seit einiger Zeit sogar darauf, bei den Befragungen am Wahltag überhaupt nach der Konfession zu fragen. Das in Erfurt ansässige Meinungsforschungsinstitut Insa-Consulere unterscheidet immerhin bei den Online-Erhebungen für seine „Sonntagsfrage“ zwischen katholischen, evangelisch-freikirchlich und evangelisch-landeskirchlich orientierten Wählern. Die Unterschiede hinsichtlich der Wahlabsicht sind signifikant, sagt Insa-Geschäftsführer Hermann Binkert. Landeskirchliche Protestanten würden sich derzeit zu gut acht Prozent für die AfD entscheiden – bei einem allgemeinen Mittelwert von etwa 13 Prozent. Freikirchliche würden dagegen zu fast 17 Prozent AfD wählen. Unter den Katholiken geben immerhin 12,5 Prozent an, sie würden die AfD wählen, wenn am kommenden Sonntag der Bundestag gewählt würde.

Die lautstarke Ablehnung politischer Positionen der AfD durch Wortführer beider Kirchen ist demnach nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Amtsträger und Funktionäre reden auch über die Mitglieder ihrer Gemeinden, wenn sie mit der AfD und ihren Wählern ins Gericht gehen.

Eine weitere Dimension dieses Vexierspiels zwischen den Kirchen und der AfD ist die Kirchenzugehörigkeit der Parteifunktionäre. In der Bundesspitze gibt es niemanden, der sich als aktiver Katholik zu erkennen gegeben hat. Die „Bundesvereinigung Christen in der AfD“ ist bislang vor allem eine Brücke in die Freikirchen. In den Landesparlamenten hingegen sind Katholiken immer wieder in den Reihen der AfD zu finden. In Rheinland-Pfalz etwa ist ein Abgeordneter für das Themenfeld Kirche und Religion zuständig, der an einer Schule in Trier Religionslehrer war.

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