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„Kentler-Experiment“ : Wie Berlin 30 Jahre lang Kinder an Pädophile vermittelte

Von „Randgruppenjugendlichen“ sprach Sexualwissenschaftler Kentler (Symbolbild) Bild: dpa

Der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler gab Straßenkinder Kriminellen zur Pflege. Beiden Seiten schien geholfen: Die Kinder waren von der Straße, die Männer nicht mehr auffällig. Weil sie in den eigenen vier Wänden missbrauchten.

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          Es klingt, als stamme es aus einem Horrorkrimi und es war über dreißig Jahre bittere Wirklichkeit in Berlin: das sogenannte Kentler-Experiment. Der umstrittene Sexualwissenschaftler Helmut Kentler, gegen den es nie irgendein Verfahren gab, hat in den siebziger Jahren Kinder und Jugendliche ganz bewusst an pädophile Pflegeväter vermittelt. Er war der festen Überzeugung, dass „sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen nicht schädlich sind“. So wurden Findelkinder und Straßenkinder aus Westberlin in die Obhut meist alleinstehender Pflegeväter gegeben, die oft wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft waren.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Nach außen schienen den beteiligten Jugendämtern die Probleme gelöst: Die Kinder lebten nicht auf der Straße, mussten nicht in Heime und die Pädophilen wurden nicht wieder straffällig, weil sie ihre Pflegekinder mit behördlicher Duldung in den eigenen vier Wänden missbrauchten. Kentler selbst berichtet 1988 in ersten Veröffentlichungen über Versuche in den Vereinigten Staaten und in Holland, „bei Päderasten Pflegestellen für jugendliche Herumtreiber einzurichten und dadurch soziale Integration zu ermöglichen“. Deren Ergebnisse hätten ihn ermutigt, „etwas ähnliches zu versuchen, und es gelang mir die zuständige Senatsbeamtin dafür zu gewinnen“, so Kentler, der eine nahezu unangefochtene Stellung in Berlin hatte.

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