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Bewohner von Asylunterkunft : „Wir sind in großer Gefahr“

Frankfurter Asylunterkunft: In dem elfstöckigen Gebäude, in dem fünf Etagen bewohnt sind, gibt es für die mehr als 450 Menschen der Unterkunft zwei wenige Quadratmeter große Aufzüge. Bild: Wolfgang Eilmes

In Gruppenunterkünften leben viele Menschen auf engem Raum. Zu Dutzenden teilen sie sich Toiletten und Küchen. Wie erleben sie die Corona-Pandemie?

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          Als die Corona-Pandemie Deutschland befällt, die Zahl der Infizierten steigt und der Ansturm auf Supermärkte seinen Lauf nimmt, steht auch Haroon Azimi vor einem Regal und deckt sich mit Seife ein. Zu Hause wäscht er unentwegt sowohl Hände als auch Schuhe, hat Angst vor der Überlebensfähigkeit des Coronavirus auf Oberflächen. „Wir sind in großer Gefahr“, sagt Azimi. Mit „wir“ meint er nicht nur sich, seine Frau und seine Kinder – sondern auch die mehr als 450 weiteren Flüchtlinge, die mit ihm in einer Frankfurter Asylunterkunft wohnen.

          Aus Angst vor einer Bestrafung, etwa Hausarrest, will Haroon Azimi, der eigentlich anders heißt, anonym bleiben. Denn die Vorwürfe des Afghanen wiegen schwer. In der vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betriebenen Unterkunft in der Ludwig-Landmann-Straße komme zwar einmal in der Woche eine Reinigungsfirma, doch die würde in Zeiten der Corona-Pandemie nicht lange bleiben: „Sie bringen nur noch den Müll weg und verschwinden wieder“, sagt Azimi, „sie scheinen Angst zu haben.“

          Die dauerhaft belegten Gemeinschaftstoiletten der Unterkunft seien daher in den vergangenen Wochen nicht, wie üblich, desinfiziert worden und würden zunehmend verdrecken. Seifenstücke, die normalerweise wöchentlich an die Waschbecken in den Sanitäranlagen gelegt würden, seien nur noch rar. Wenn es doch mal welche gebe, würden sie gestohlen. Auch ein Desinfektionsmittelspender, den es vor Ausbruch der Pandemie am Eingang gegeben habe, sei nun nicht mehr vorhanden. Die Bewohner hätten sich beim DRK schon beschwert, sie seien aber ignoriert worden.

          Zwei Aufzüge für 450 Menschen

          In dem elfstöckigen Gebäude, in dem fünf Etagen bewohnt sind, gibt es für die mehr als 450 Menschen der Unterkunft zwei wenige Quadratmeter große Aufzüge. „Die Möglichkeit, sich in diesen Aufzügen zu infizieren, ist besonders groß“, sagt Haroon Azimi. Oft eng aneinandergedrückt, führen die Bewohner darin auf und ab, der vorgeschriebene Sicherheitsabstand werde nicht eingehalten. Ob nur eine begrenzte Zahl an Menschen die Aufzüge betrete, werde nicht kontrolliert. Sorgen bereitet Azimi auch die Gemeinschaftsküche. In dem separaten Containergebäude gebe es für Frauen und Männer jeweils zwanzig Herde. Es werde immer noch gemeinsam gekocht, während die Herdplatten nicht weiter als zwanzig Zentimeter voneinander entfernt seien.

          Krankheitsfälle gab es in der Unterkunft bisher nicht, doch Haroon Azimi wünscht sich mehr Kontrollen. Für den Ernstfall hat er sich die Nummer des Frankfurter Gesundheitsamts aufgeschrieben. Auch wenn er nach draußen blicke, sehe er vor dem Gebäudekomplex Bewohner der Unterkunft sorglos Karten spielen und an Wasserpfeifen ziehen. „Wenn sich hier einer infiziert, kommen wir alle in Quarantäne – und dann ist es zu spät.“

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