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Gesammelte Austrittsschreiben : So begründen AfD-Politiker ihre Parteiaustritte

Die AfD-Fraktion im Bundestag im April 2022 Bild: Picture Alliance

Viele, die aus der AfD austreten, schreiben seitenlange Erklärungen und beteuern, sie hätten sich nie verbogen, um Extremisten zu decken. Was lehren uns die gesammelten Werke der Gescheiterten?

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          Es ist leichter, in die AfD einzutreten, als aus ihr rauszukommen. Wie bei einer Tür, die unverschlossen ist, aber von einem Luftsog gehalten wird. Wer in die AfD reingeht, spürt nur äußeren Widerstand. Er muss seinem Umfeld erklären, dass alle Geschichten über die Partei gelogen sind; dass ihre Mitglieder bloß Bürgerliche sind, die das Beste für Deutschland wollen. Diese Behauptung kostet vielleicht einige Freundschaften, aber das können die Neumitglieder als Böswilligkeit der anderen abtun. Solange sie das Märchen von der verkannten Partei erzählen, leiden sie nicht unter einem inneren Widerspruch. Alles ergibt Sinn.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erklären sie aber ihren Parteiaustritt, holt sie das Gesagte ein. Dann ist es Zeit für ein Geständnis. Sie müssen sagen, wie schlimm es in der Partei ist, und damit eingestehen, dass die anderen recht behalten haben. Und sie müssen eine bewusste Täuschung zugeben: Wenn sie schon länger wussten, wie schlimm die AfD ist, warum haben sie so lange Ausflüchte und Entschuldigungen gefunden? Aus Opportunismus? Aus Gier auf Ämter und Mandate? Aus Feigheit? Einer, der ausgetreten ist, sagt über seine aktive Zeit: „Ich hätte doch nicht in einem Interview sagen können, dass meine Partei total verprollt. Da laviert man sich dann raus.“

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