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Bundestagspolitiker reagieren : Widerstand gegen weibliche Dienstgrade bei der Bundeswehr

Frau Hauptmann mit Waffe: Ein weiblicher Offizier der Bundeswehr im Einsatz in Prizren (Archivbild) Bild: dpa

Gefreite, Bootsfrau, Leutnantin – braucht die Truppe gegenderte Ränge? Die Antworten aus dem Bundestag fallen unterschiedlich aus. In einem Punkt aber herrscht Einigkeit: Die Bundeswehr hat andere Probleme.

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          Verteidigungspolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien haben unterschiedlich auf Überlegungen im Verteidigungsministerium reagiert, in der Bundeswehr weibliche Dienstgrade einzuführen. „Solche Ideen sorgen bei der Truppe nur für Kopfschütteln“, sagte CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn der F.A.Z. „Mir scheint das ein Produkt aus der Selbstbeschäftigungstheraphie der Gleichstellungsstelle zu sein.“ Die Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller vom Koalitionspartner SPD sagte hingegen, sie finde es „prinzipiell gut“, sich über diskriminierungsfreie Sprache Gedanken zu machen. Ein gegenderter Dienstgrad sei aber nur „nice to have.“

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Die Idee, über die die „Welt“ am Freitag zuerst berichtet hatte, sieht vor, dass für fast alle Dienstgrade der Bundeswehr binnen eines Jahres ein weibliches Pendant eingeführt wird. Aus einem Gefreiten würde demnach eine Gefreite, aus einem Hauptbootsmann eine Hauptbootsfrau und aus einem Oberfeldarzt eine Oberfeldärztin. Ausnahmen bestätigen die Regel: Eine Soldatin im Dienstgrad Hauptmann würde mit „Frau“ Hauptmann angesprochen werden. Dasselbe gilt im Dienstgrad Oberst, dem höchsten Rang unterhalb der Generalsebene.

          Verteidigungsministerium: Frage wird diskutiert

          Die „Welt“ beruft sich auf das Protokoll eines Gesprächs zwischen Staatssekretär Gerd Hoofe und zwei Abteilungsleitern. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht gegenüber der F.A.Z. am Freitag nicht bestätigen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sei „mit Vorhaben zu diesem speziellen Punkt“ bisher nicht befasst gewesen. Die Frage nach der sprachlichen Gleichbehandlung stünde aber im Rahmen der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundeswehr in der Diskussion.

          Kramp-Karrenbauers Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen hatte der „Welt“ zufolge davon abgesehen, geschlechterspezifische Dienstgrade einzuführen. Umfragen hätten ergeben, dass eine Mehrheit der rund 22.000 Frauen in der Truppe sie ablehne. Auch in sozialen Netzwerken wenden sich aktive Soldatinnen dagegen, ihre Dienstgrade zu gendern.

          Die grüne Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger sagte der F.A.Z., sie halte die Idee von weiblichen Dienstgraden nicht für falsch. „Die Art und Weise, wie das Ministerium das Thema behandelt, ist aber alles andere als klug.“ Die linke Verteidigungsfachfrau Christine Buchholz nannte die Überlegungen „unehrlich“, angesichts zunehmender Meldungen über Fälle sexueller Belästigung und der hierarchischen Strukturen bei der Truppe.

          FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnte Kramp-Karrenbauer davor, sich von den eigenen Staatssekretären an der Nase herumführen zu lassen. „Soldatinnen beklagen nicht männliche Dienstgrade, sondern die Entfernung der BMVg-Spitze von der Truppe. Rüdiger Lucassen, für die AfD-Obmann im Verteidigungsausschuss teilte mit, Gendering in der Bundeswehr wirke wie Satire und sei pure Ideologie: „Keiner will es, niemandem nützt es und trotzdem wird es gemacht.“

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