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Corona und andere Pandemien : Was das Berliner WHO-Zentrum leisten soll

Bundeskanzlerin Angela Merkel und WHO-Chef Tedros Ghebreyesus am Mittwoch in Berlin Bild: AP

Die Weltgesundheitsorganisation will Wissenschaft und Praxis in der deutschen Hauptstadt zusammenbringen. Der neue Standort soll der Welt dabei helfen, schneller auf neue Erreger zu reagieren.

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          Die Corona-Krise ist nicht so überraschend über die Welt gekommen, wie die unzureichende Vorbereitung vieler Staaten – darunter Deutschlands – vermuten lässt. Schon Jahre zuvor hatten Wissenschaftler, Stiftungen, Unternehmer wie Bill Gates und nicht zuletzt die Weltgesundheitsorganisation vor einer Pandemie mit ähnlichen Ausmaßen gewarnt und umfangreiche Vorbereitungen angeregt. In Deutschland unterrichtete die Bundesregierung das Parlament Anfang 2013 über eine vom Robert-Koch-Institut modellierte Risikoanalyse zur möglichen Ausbreitung einer aus Asien eingeschleppten SARS-Variante – mit hohen Todeszahlen und verheerenden Folgen für das Gesundheitswesen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Damit die Welt auf solche Gefahren besser vorbereitet ist und künftig schneller darauf reagieren kann, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch ein Zentrum für Pandemie- und Epidemie-Aufklärung eröffnet. Der „Hub“ genannte Stützpunkt entsteht in Berlin, zunächst noch provisorisch beim Universitätsklinikum Charité im Stadtteil Mitte, später in einem Neubau am Moritzplatz in Kreuzberg. Direktor wird der in Deutschland geborene nigerianische Epidemiologe Chikwe Ihekweazu, der noch die Gesundheitsbehörde Nigerias leitet.

          Zur Eröffnung erhielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den „Global Leadership Award“ der WHO. In ihrer Dankesrede sagte sie, das neue Büro in Berlin werde helfen, von der Epidemie-Forschung zur Anwendung überzugehen. Covid-19 habe gezeigt, wie viel die Wissenschaft erreichen könne, wenn sie auf allen Ebenen zusammenarbeite. Deutschland habe dabei eine wichtige Rolle gespielt. So sei der erste PCR-Test an der Charité entwickelt worden, und auch beim Impfstoff sei die Bundesrepublik ganz vorn mit dabei gewesen.

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          Der neue Hub-Direktor Ihekweazu wird nach Merkels Überzeugung eine wichtige Brücke in Richtung Afrika bauen, wo in manchen Staaten erst zwei Prozent der Bevölkerung geimpft seien. Dass man gleichzeitig in Deutschland viel Impfstoff habe und Bürger erst von der Immunisierung überzeugen müsse, zeige eine große Ungleichheit, die es auszugleichen gelte.

          Merkel erteilte abermals Vorschlägen eine Absage, Rechte für Impfstoffpatente auszusetzen. Besser sei es, Lizenzen zu vergeben, die Teilhabe zu fördern und mehr Personal in anderen Ländern auszubilden. Die Abhängigkeit von Lieferketten, die nicht immer funktionierten, sei problematisch. Es sei im Interesse der ganzen Welt, dass alle Menschen geimpft seien, „damit nicht Mutationen den Weg aus der Pandemien wieder kaputt machen“.

          Die WHO hatte die neue Einrichtung in Berlin angeregt, Deutschland sich bereiterklärt, sie aufzubauen und zu finanzieren. Dafür stellt die Bundesregierung 85 Millionen Euro zur Verfügung. „Um auf Pandemien und Epidemien vorbereitet zu sein, muss möglichst viel Arbeit vor dem Ausbruch geleistet werden“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der Eröffnungszeremonie.

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