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WG statt Hörsaal : Digitales Wintersemester ab Herbst?

Prüfung in Zeiten des Abstandsgebots: Studierende in Kassel schreiben eine Klausur. Bild: dpa

So viel Präsenz wie möglich: Wie die Hochschulrektoren das kommende Semester planen – und warum digitale Formate dennoch weiterhin einen großen Teil ausmachen müssen.

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          Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat sich für das kommenden Wintersemester, das in den Bundesländern wegen der Corona-Pandemie erst am 2. November beginnt, für „so viel Präsenz wie möglich, aber nur im Rahmen des Verantwortbaren“ entschieden. Bei der Lehre wird der Schwerpunkt also auch im Wintersemester auf digitalen Angeboten liegen. „Jede Hochschule braucht Planungsvorlauf und kann nicht wiederholt ‚auf Zuruf’ umgesteuert werden. Zudem sind Konzeption und Durchführung von digitalen und Präsenzveranstaltungen nicht beliebig austauschbar“, erläuterte der Präsident der HRK Peter-André Alt. Daher müssten die Hochschulleitungen jetzt eine sichere Perspektive schaffen, die einer anhaltenden und womöglich sogar verschärften Corona-Situation Rechnung trage.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Ein besonderes Anliegen ist es den Hochschulen, dass auch auf die vielen ausländischen Studierenden Rücksicht genommen wird, die absehbar weiterhin nicht alle anreisen und an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können. Die Selbstorganisations- und Selbstlernfähigkeit von Studenten sei ungleich höher als die von Schulkindern, so dass sie ihre Leistungen auch erfolgreich digital erbringen könnten, meinte Alt. „Wir müssen alles tun, damit die Hochschulen nicht zu Corona-Hotspots werden“, sagte Alt.

          Allein die Größe der Hochschulen mit meist mehreren Tausend Personen mache die Dimension deutlich. In den meisten Bundesländern gelten nach wie vor strenge Hygienevorschriften. Um in den dortigen Hochschulen die Einhaltung der notwendigen Abstandsregeln zu sichern, so wurde im Senat deutlich, müssten für große Vorlesungen externe Räumlichkeiten mit Höchstkapazitäten angemietet werden, die Organisation in Bibliotheken oder Mensen wäre bei voller Präsenz aller Hochschulmitglieder nicht zu leisten. In experimentellen Fächern könne auf das Lernen im Labor nicht lange verzichtet werden, im Sport- und im Medizinstudium nicht auf praktische Übungen. Das Fächerspektrum der künstlerischen Hochschulen wiederum erfordere einen hohen Anteil an Kleingruppen- und Individualstudium. Entsprechend könne und müsse die Präsenzlehre wieder verstärkt zum Zuge kommen. Ein besonderes Augenmerk gelte den Studenten in Prüfungen.

          Aus einer Umfrage des Deutschen Akademischen Austauschdienstes von Ende April bis Mitte Mai 2020 unter den Akademischen Auslandsämtern und 268 Hochschulen geht hervor, dass die internationalen Studierenden an zwei Drittel der Hochschulen nicht ihr Studium in Deutschland beginnen oder fortsetzen konnten. Rund 80.000 ausländische Studenten haben Deutschland aufgrund der Pandemie verlassen. Den Wegfall der Präsenzlehre fing die Hälfte der Hochschulen mit vollständig virtuellen Veranstaltungen auf, die andere Hälfte setzte auf ein Mischmodell aus Präsenz- und digitaler Lehre. 98 Prozent der Hochschulen ermöglichten ihrem Personal Heimarbeit, knapp 90 Prozent boten den Studenten virtuelle Beratungsstunden an.

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