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Giffeys Reise durch den Osten : Aus nächster Nähe

Hier kauft die Ministerin noch selbst: Franziska Giffey in einem Supermarkt in Radebeul Bild: Imago

Auf ihrer Reise durch die ostdeutschen Länder begegnet der Bundesfamilienministerin Mut, der Wille zum Anpacken, aber auch Frust, Resignation und Kritik an ihrem Ministerium. Doch viele Bürger hoffen auch auf Franziska Giffey.

          6 Min.

          Der unwirtliche Rudower U-Bahnhof in Berlin ist für Familienministerin Franziska Giffey von doppelter Bedeutung. Hier hat sie als Bezirksbürgermeisterin von Neukölln versucht, eine schnelle Verbindung zum noch nicht eröffneten Flughafen BER zu initiieren. Ein Hauptstadtflughafen brauche auch eine Hauptstadtverbindung, sagt die Bundespolitikerin. Aber es ist auch der Ort, an dem Giffey nach dem Mauerfall mit elf Jahren westdeutschen Boden betrat. „Der Mauerfall war für mich der Glücksfall des vergangenen Jahrhunderts und eine Sternstunde der Demokratie“, meint sie. Bei ihrer Sommerreise durch die fünf ostdeutschen Länder trifft sie aber auf manche, die das nicht mehr hören wollen oder vergessen haben, weil die Wende für sie in die Arbeitslosigkeit führte.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die „Jammer-Ossi-Nummer“ findet Giffey furchtbar. Der Stolz vieler Menschen im Osten auf ihre Arbeit sei weggebrochen, als nach der Wende all die Betriebe geschlossen wurden. „Das verletzt viele bis heute. Aber Jammern bringt uns nicht weiter.“ 30 Jahre nach der Wende sind für Giffey mehrere Dinge entscheidend: die Dankbarkeit für die erste friedliche Revolution auf deutschem Boden, der Stolz auf das Erreichte und Geschichten der Zuversicht. Es seien die diffusen Ängste, die der AfD solch einen Stimmenzuwachs brächten. Die von der Partei gegebenen Sicherheitsversprechen seien aber unhaltbar. Giffey kann es nicht fassen, dass die Partei, die auf Wahlplakaten zynisch für sich in Anspruch nimmt, die Wende zu vollenden, in Riesa bei Dresden mit 30,3 Prozent aus der Europawahl hervorging und die SPD nur noch klägliche 8,2 Prozent erreichte. Wenn die SPD die große Koalition aufkündigte, könnte ihr im Bund Ähnliches blühen, glaubt Giffey. Dann dächten die Leute: „Die wollen nicht mal regieren.“

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