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CDU-Mitglied Patzelt : Wie politisch darf Politikwissenschaft sein?

Politikwissenschaftler Werner Patzelt sitzt als Gast in der Landesvertreterversammlung der sächsischen CDU zur Aufstellung der Landesliste für die Landtagswahl sowie für die Wahl zum Europäischen Parlament. Bild: dpa

Werner Patzelt erforscht Parteien nicht nur, er berät sie auch. Einige Kollegen und seine Universität werfen ihm vor, das nicht gut zu trennen – zum Beispiel bei der Erforschung von Pegida. Andere meinen: Das macht die Forschung doch besser.

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          Die Seniorprofessur ist ein Ehrenamt, jedenfalls an der Technischen Universität Dresden, eine Anerkennung der wissenschaftlichen Leistungen eines im Ruhestand befindlichen Professors. Es gibt zwar kein Gehalt, dafür ein Büro und die Möglichkeit, noch eine Zeitlang zu forschen. Der bekannte Dresdner Parteienforscher Werner Patzelt, der in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, wäre gerne Seniorprofessor geworden. Wie kürzlich bekannt wurde, wird die für das Fach Politikwissenschaft zuständige Philosophische Fakultät aber keine Seniorprofessur für Patzelt beantragen – was einen gewissen Unmut zwischen Patzelt und den Mitgliedern des Fakultätsrats ausgelöst hat.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Bis dahin wäre die Kontroverse eine rein hochschulinterne Angelegenheit geblieben, doch die Begründung der Hochschule adressiert grundsätzliche Fragen, die weit über den Wirkungskreis des Dresdner Campus hinausreichen. Der Prodekan der Fakultät, Lutz Hagen, wirft Patzelt vor, dass dieser „seine politische Tätigkeit nicht hinlänglich von seiner Position als Wissenschaftler trennt“. Die Universität formulierte es in einer Mitteilung ähnlich: Patzelt habe „Politik und Wissenschaft derart vermischt“, dass er dem Ruf der Universität und der Fakultät „geschadet“ habe. Im Detail wird dann zwar auf Kleinigkeiten verwiesen, das Impressum zu Patzelts privatem Blog, kritische Äußerungen des Wissenschaftlers an die Adresse der Hochschulleitung. Doch das gerät in den Hintergrund, da der Professor kurz zuvor in eigener Sache Schlagzeilen gemacht hatte: Patzelt – nach eigenen Angaben seit 1994 Mitglied der CDU – wird seine Partei beim bevorstehenden Landtagswahlkampf unterstützen, als Ko-Vorsitzender der Programmkommission. Damit gibt die Kontroverse um die verwehrte Seniorprofessur den Blick auf die entscheidende Frage frei: Wie politisch darf die Politikwissenschaft sein und mit ihr ihre vordersten Vertreter, die Professoren?

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