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Prozess im Mordfall Lübcke : Die größte Gefahr

Das Porträt von Walter Lübcke beim Trauergottesdienst vor einem Jahr in der Kasseler Martinskirche. Bild: dpa

In Frankfurt beginnt der Prozess im Mordfall Lübcke. Er markiert eine Zäsur in einer Gesellschaft, die rechte Gewalt in Deutschland lange unterschätzt hat.

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          Wenn an diesem Dienstag die gerichtliche Aufarbeitung des Mordes an Walter Lübcke beginnt, könnten die Erwartungen an die Justiz kaum größer sein. Das Oberlandesgericht Frankfurt wird einen Fall aufklären müssen, der, über das menschliche Grauen hinaus, inzwischen eine gesellschaftliche Zäsur markiert. Walter Lübcke wurde in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf seiner Terrasse erschossen. Als der Neonazi Stephan E. zwei Wochen später festgenommen wurde, äußerte der Bundesinnenminister die Überzeugung, dass in Deutschland die größte Gefahr vom Rechtsextremismus ausgehe. Das war wenige Tage nach E.s erstem Geständnis.

          Einen Einschnitt bedeutete der Mord auch für die schon lange geführte Debatte über die Radikalisierung des gesellschaftlichen Diskurses. Denn der Kasseler Regierungspräsident war wegen seines Engagements für Flüchtlinge seit Jahren das Ziel rechter Hasskampagnen gewesen. Seine Ermordung wirkte wie der Beweis dafür, dass aus Worten Taten werden können. Man muss nicht gleich von einer Zwangsläufigkeit ausgehen; aber als das rechtsextreme Milieu des mutmaßlichen Mörders und seines Helfers in den Fokus geriet, wurde noch einmal deutlich, welchen Aufwind Rechtsextreme seit der Flüchtlingskrise verspüren und wie fließend die Grenzen zwischen ihnen und Leuten sind, die sich selbst als „Bürgerliche“ bezeichnen.

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