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Wer soll Kanzler werden? : Auf diese Unionspolitiker kommt es jetzt an

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Wer lacht zuletzt? Söder (rechts) empfing Laschet im März 2019 in München. Bild: dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer zieht sich vom CDU-Vorsitz zurück. Schlägt nun die Stunde von Armin Laschet? Versuchen Friedrich Merz und Jens Spahn abermals ihr Glück? Sieht sich Markus Söder als Kanzlermacher? Und darf Angela Merkel noch mitreden? Ein Überblick.

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          Die Kampfkandidatur um die Nachfolge der Parteivorsitzenden Angela Merkel im Dezember 2018 war ein sehr ungewöhnlicher Vorgang für die CDU. Wiederholt sich das nach dem angekündigten Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer nun – unter den Vorzeichen eines nach dem Thüringen-Debakel noch offensichtlicher entbrannten Flügelstreits? Oder gibt es Strippenzieher, die eine einvernehmliche Lösung herbeiführen könnten? Wir stellen die fünf Unionspolitiker vor, auf die sich nach dem angekündigten Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt besonders viele Blicke richten.

          Armin Laschet, der Hüter des christlichsozialen Grals

          Armin Laschet, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, zählt in seiner Doppelfunktion als stellvertretender Bundesvorsitzender und Chef des größten CDU-Landesverbands zu den „natürlichen“ Kandidaten für die Nachfolge Annegeret Kramp-Karrenbauers. Schon als Ende 2018 Kanzlerin Angela Merkel den CDU-Vorsitz aufgab, erwog er, sich um das Amt zu bemühen. Laschet, der seit Juni 2017 Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes ist, entschied sich dann aber dagegen und legte Wert auf eine differenzierte Begründung, die nun Hinweise auf seine aktuellen Erwägungen geben könnte: Es sei eine bewährte Tradition in der CDU, Kanzlerschaft und Parteivorsitz in die Hände einer Person zu legen. Da aber eine Trennung geplant sei und Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 Regierungschefin bleiben wolle, könne er nicht zur Verfügung stehen, sagte er vor etwas mehr als einem Jahr.

          Das leuchtete ein, denn der Bundesvorsitzende muss häufig in Berlin anwesend sein, um die Positionen seiner Partei in den Verhandlungen mit dem Koalitionspartner einzubringen und nach außen zu vertreten. Am Beispiel von Kurt Beck (SPD) aus Rheinland-Pfalz lässt sich studieren, dass ein überaus erfahrener Ministerpräsident selbst dann zwischen seinen Aufgaben in der Hauptstadt und der vermeintlichen Provinz zerrieben werden kann, wenn seine Partei nicht den Kanzler stellt.

          Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei
          Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei : Bild: Edgar Schoepal

          Auffällig ist, wie häufig sich Laschet seit der Wahl Kramp-Karrenbauers zur CDU-Vorsitzenden mit sorgenvollen, manchmal auch korrigierenden Interventionen zu Wort meldete. Mit dieser inhaltlichen Kritik präsentierte sich Laschet als Gralshüter einer eher sozialen und liberalen Union. Laschet, der seit seinem 18. Lebensjahr der CDU angehört, tat dies weniger aus taktischen Erwägungen denn aus innerer Überzeugung – und offensichtlich in wachsender Sorge.

          Im Juni warnte der Merkelianer seine Parteifreundin AKK schließlich unmissverständlich davor, angesichts schwacher Wahlergebnisse und schlechter Umfragewerte den Mitte-Kurs der Kanzlerin aufzugeben. „Das Erfolgsrezept der CDU und der Kanzlerschaft von Angela Merkel war nicht zuletzt, Probleme pragmatisch zu lösen und über die CDU-Stammwähler hinaus viele Bürger anzusprechen. Daran sollten wir festhalten“, sagte er. Auch nach dem Erfurter Eklat fand Laschet vorige Woche, anders als mancher Parteifreund, umgehend klare Worte: „Niemals darf sich ein Regierungschef von Extremisten, auch nicht in schwierigen Mehrheitssituationen, auch nicht zufällig, wählen lassen.“ Reiner Burger, Düsseldorf

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