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Putin und der „Tag des Sieges“ : Wer nicht mitfeiert, wird zum Feind erklärt

Am „Tag des Sieges“ im Jahr 2000 gerade einmal drei Tage Präsident Russlands: Wladimir Putin Bild: Picture Alliance

Am 9. Mai gedenkt Russland des Sieges über die Nazis. Der symbolträchtige Tag wird in diesem Jahr mit besonderer Spannung erwartet. Geschieht etwas Besonderes?

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          In seiner Rede am Morgen des Überfalls auf die Ukraine hat der russische Präsident Wladimir Putin eine direkte Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart hergestellt. Indem er die „militärische Spezialoperation“ eine „Entnazifizierung“ der Ukraine nannte, stellte er den Krieg als Fortsetzung des Kampfes gegen Nazideutschland dar. Putin begründete den Angriff mit Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg: In den Jahren 1940 und 1941 habe die Sowjetunion auf alle mögliche Weise versucht, den Kriegsbeginn zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern. Aber der Versuch, „den Aggressor am Vorabend des Großen Vaterländischen Kriegs zu besänftigen“, habe sich als Fehler herausgestellt, für den das russische Volk einen schrecklichen Preis bezahlt habe. „Ein zweites Mal lassen wir einen solchen Fehler nicht zu, wir haben nicht das Recht dazu.“

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Die russische Propaganda hat dieses Motiv auf vielfältige Weise aufgegriffen. Die von russischen Truppen kontrollierten Gebiete im Süden und Osten der Ukraine werden als „vom Nazismus befreit“ bezeichnet. Vor öffentlichen Gebäuden wurde dort in den vergangenen Tagen oft nicht die weiß-blau-rote Flagge Russlands hochgezogen, sondern das „Banner des Sieges“ – Kopien der roten Fahne mit Hammer und Sichel, die sowjetische Soldaten am Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 auf dem Reichstag in Berlin gehisst haben.

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