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Jasper von Altenbockum (kum.)

Wende im Wahlkampf : Kein Weg aus Baerbocks Grube

Wer von diesen drei Politikern hat noch nie ein Buch geschrieben? Angela Merkel, Armin Laschet und Annalena Baerbock am 24. Juni im Bundestag Bild: dpa

Die Grünen hadern mit der Wahrheit, schlagen um sich und müssen sich von Laschet mit Trump vergleichen lassen. Da hilft nicht mal mehr das Wetter.

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          Es gibt kaum noch eine Möglichkeit für die Grünen, aus der Grube zu kommen, die ihnen ihre Kanzlerkandidatin gegraben hat. Dem „Plagiatsjäger“ dafür die Schuld zu geben war der erste Verstoß gegen die Weisheit, dass aufhören sollte zu graben, wer wieder herauskommen will. Der zweite Fehler war, die Rückkehr zur „Sache“ mit unsachlichen Ausfällen gegen Armin Laschet zu fordern. Der dritte, von „Fake News“ zu sprechen, wo jeder sehen kann, dass die Vorwürfe gegen Annalena Baerbocks Buch nicht aus der Luft gegriffen sind.

          Besser wäre es gewesen, eigene Verfehlungen beim Namen zu nennen und so die Buch-Affäre von der Falschheit und Verleumdung zu trennen, denen Baerbock seit Beginn ihrer Kandidatur ausgesetzt ist. Die Schlammschlacht, vor der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnte, ist längst da, wenn auch „nur“ in den „sozialen“ Medien und nicht im offiziellen Wahlkampf.

          Laschet ist in einer komfortablen Lage. Er kann die mit der Wahrheit hadernden und um sich schlagenden Grünen mit Trump vergleichen, während nach rechts nur noch die Kraftmeierei Hans-Georg Maaßens für Missstimmung sorgt, die letzten Brücken zur „Werteunion“ aber abgebrochen werden. Um mit Volker Bouffier zu sprechen: Die zerlegt sich gerade selbst.

          Von den Grünen ist das nicht zu erwarten. Sie und die Union haben aber die Rollen getauscht: Waren es bisher CDU und CSU, sind es jetzt die Grünen, die eine Abwanderung ihrer Wähler aufhalten müssen, um nicht noch in die nächste Grube, hinter Olaf Scholz zu fallen.

          Das werden sie weiter mit Baerbock als Kanzlerkandidatin tun müssen, weil ein Wechsel zu Robert Habeck ein reines Himmelfahrtskommando wäre. Es muss ja nicht heißen, dass er nicht trotzdem das Kommando übernimmt.

          Die Grünen werden alles tun, um Klima und Wetter wieder in den Vordergrund zu schieben, und darauf hoffen, dass Baerbocks Fehltritte in der Hitze des Sommers verglühen. Union und SPD sind verwundbar, weil niemand weiß, wie sie die Ziele erreichen wollen, die sie sich selbst gesetzt haben. Das weiß man allerdings noch viel weniger von den Grünen. Die haben nun obendrein das Problem, dass „die Sache“ sich nie von Personen trennen lässt. In diesem Fall heißt das: Ist wirklich alles so, wie sie behaupten? Oder scheint es nur so zu sein?

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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