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Kanzlerkandidatur : Wen schickt die SPD ins Rennen?

Einer der Ihren? Norbert Walter-Borjans, Rolf Mützenich, Saskia Essen und Olaf Scholz vergangenen Dezember in Berlin Bild: dpa

Die SPD hat zuletzt einen Marsch nach links angetreten. Nun nähren die Sozialdemokraten Spekulationen über einen Kanzlerkandidaten, der zum neuen Kurs passen würde.

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          Die SPD hatte einen Plan. In Ruhe wollte sich die Partei anschauen, wie der Koalitionspartner CDU am 25. April einen neuen Parteivorsitzenden wählt und damit die Kür eines Kanzlerkandidaten in die Wege leitet. In Reaktion darauf, wer Vorsitzender geworden wäre – mutmaßlich Armin Laschet oder Friedrich Merz –, hätten die Sozialdemokraten ihr eigenes Personalpaket festgezurrt. Mehrere Optionen, auch was die Kanzlerkandidatur angeht, wurden in der Parteispitze besprochen. Dann kam Corona und damit alles anders. Der Sonderparteitag der CDU wurde erst verschoben, dann abgesagt, die Wahl des Parteivorsitzenden findet nun im Dezember statt. Auch der Plan der SPD wurde hinfällig. Hinzu kam, dass die Wähler der Union zwar enormes Vertrauen bei der Krisenbewältigung entgegenbringen. Aber während die Umfragewerte von CDU/CSU an der 40-Prozent-Marke kratzen, profitiert der Koalitionspartner kaum.

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.

          Die SPD hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen Marsch nach links angetreten – genauer gesagt: die beiden neuen Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans und der Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich. Zunächst wurde die nukleare Teilhabe in der Nato in Frage gestellt, dann der aus Mützenichs Sicht zu bundeswehrfreundliche Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels abgesägt.

          Einer der Ihren?

          Insofern ist die Vermutung nicht abwegig, dass Esken und Walter-Borjans auch einen der Ihren zum Kanzlerkandidaten machen wollen, wie es die Zeitschrift „Cicero“ am Dienstag vermeldete, nämlich Mützenich selbst. Einer seiner Sprecher versuchte, den Stein, der ins Wasser geworfen worden war, möglichst rasch wieder herauszufischen, bevor er den tiefsten Punkt des Sees erreichte und nicht mehr gesehen ward: Die Meldung sei Spekulation. Genauso äußert sich die Parteizentrale.

          Das Vorschlagsrecht für den Kanzlerkandidaten oder die Kandidatin haben die Parteivorsitzenden. Im Spätsommer oder Frühherbst soll die Arbeit am Wahlprogramm für die Bundestagswahl im Herbst 2021 in die entscheidende Phase gehen. Dann soll ein dazu passender Kandidat ausgeguckt werden. In gleich mehreren Wahlkämpfen in der Vergangenheit – Steinbrück und Schulz – hatte die SPD genau dieses Problem: Kandidat und Programm passten nicht zusammen.

          Die Debatte in der SPD wird nun Fahrt aufnehmen, zumal das Nachrichtenportal „n-tv.de“, ebenfalls am Dienstag, zu wissen meinte, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz bald zum Kanzlerkandidaten ausgerufen werde. Um einen Fakt kommt die SPD bei alldem nicht herum: In den Umfragen liegt sie weiter bei etwa 15 Prozent, zumeist deutlich hinter den Grünen. Aber selbst ein Bündnis aus Grünen, SPD und Linkspartei hat nur eine ähnlich hohe Zustimmung wie die Union allein.

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