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Weltkulturerbe Rheintal : Brückenbaubemühungen von Mainz nach Brasilia

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Sankt Goar (vorn) und St. Goarshausen am Rhein: Oberhalb der beiden Orte soll die Brücke geschlagen werden Bild: Tobias Schmitt

Das Obere Mittelrheintal soll eine Brücke bekommen. Deshalb reist eine rheinland-pfälzische Delegation in Sachen Rhein-Querung zur Welterbekonferenz. Doch manche fürchten, dass ihm dann Ähnliches droht wie dem Elbtal bei Dresden.

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          Zum dritten Mal bricht von der Landeshauptstadt Mainz eine Regierungsdelegation mit einem ganz besonderen Kultur- und Wirtschaftsauftrag in ferne Länder und Städte auf. Diesmal wird sich die Gruppe mit dem neuen rheinland-pfälzischen Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (SPD) an der Spitze vom 25. Juli bis voraussichtlich zum 1. August in Brasiliens Hauptstadt Brasilia aufhalten. Dort werden Schumacher und der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Bertram Fleck (CDU), bei der jährlichen Unesco-Welterbekonferenz gegenüber den 21 Mitgliedstaaten für eine seit zehn Jahren geplante Brücke über den Rhein werben.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Dass die rheinland-pfälzischen Politiker für jene „feste Rhein-Querung“ wie andere Delegationen in den Jahren zuvor mit viel diplomatischem Fingerspitzengefühl, Geduld und dicken Gutachten antichambrieren müssen, liegt am geplanten Standort des 40 Millionen Euro teuren Verkehrsbauwerks. Die von Wirtschaftsverbänden und Lokalpolitikern schon seit Jahrzehnten von der Landesregierung geforderte einzige Brücke zwischen Bingen und Koblenz soll nämlich die Orte St-Goar und St-Goarshausen verbinden, die rund vier Kilometer stromabwärts entfernt vom weltberühmten Rheinfelsen Loreley liegen.

          Von der Loreley aus nicht zu sehen

          Seit 2002 trägt das Obere Mittelrheintal mit seinen romantischen Ritterburgen, Weinbergen, Fachwerkstädtchen und der Loreley als Herzstück das begehrte Prädikat Weltkulturerbe, weil es nach Ansicht des Unesco-Welterbekomitees eine „Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit“ ist. Seit 2007 versucht die von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) geführte Landesregierung nun die Hüter der Welterbestätten von ihrem Brückenplan zu überzeugen, um die dramatisch an Bevölkerungsschwund leidende Region wirtschaftlich zu stärken. Doch nach Ansicht von Denkmalschützern, Umweltverbänden und den Grünen, die ebenfalls bei der Unesco vorstellig wurden, verschandelt die moderne Brücke die Kulturlandschaft und bedroht zudem seltene Tierarten wie die Mauereidechse.

          Schumachers Vorgänger, der heutige Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD), hatte erfolglos auf den Unesco-Welterbe-Sitzungen in Québec 2008 und Sevilla 2009 mit Umweltverträglichkeitsgutachten, Verkehrsstudien und vielen Lobby-Gesprächen für die Brücke gekämpft. Den Standort hatten die Verkehrsplaner eigens so gewählt, dass die Brücke von der Loreley aus nicht zu sehen wäre. In einem internationalen Architektenwettbewerb wurde der Entwurf eines Dubliner Büros ausgewählt, weil er sich „elegant“ in die Landschaft einfüge.

          „Visuelle Auswirkung“ auf einen „universellen Wert“?

          Anders als im Fall der Dresdner Waldschlößchenbrücke, die nach Ansicht der Unesco den Blick auf die Elblandschaft massiv beeinträchtigt, will Rheinland-Pfalz auf keinen Fall den Welterbe-Status des Rheintals riskieren. Immerhin hatte das Welterbe-Komitee auf seiner Tagung in Québec eine Brücke „nicht generell“ abgelehnt, eine Entscheidung darüber aber vertagt. Ähnliches passierte 2009 in der Sitzung in Sevilla, zu der Hofmann-Göttig sehr optimistisch gereist war, aber mit leeren Händen zurück kam. Dem Unesco-Komitee missfiel, dass der damalige Kulturstaatssekretär nur eine Kurzfassung der verlangten Umweltverträglichkeitsprüfung präsentiert hatte. Auch eine vergleichende Studie über die Verkehrsvarianten Brücke, Tunnel und Fähre fehlte den Welterbe-Hütern.

          Zudem wurde Rheinland-Pfalz für die Sitzung in Brasilia aufgefordert, eine Studie über die „visuelle Auswirkung“ der Brücke auf den „außergewöhnlichen universellen Wert“ des Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal zu erstellen. Gerade bei diesem Gutachten sieht sich das Land nun vorsichtig auf der Gewinnerstraße. Denn als Gutachter hat das Land Professor Kunibert Wachten vom Institut für Städtebau und Landesplanung in Aachen beauftragt. Der Sachverständige hatte im Auftrag der Unesco eine Studie zum Einfluss der geplanten Waldschlößchenbrücke auf das Weltkulturerbe Elbtal verfasst, die letztlich zum Entzug des Prädikats führte.

          Der aus Sicht des Landes unparteiisch urteilende Fachmann komme nun im Falle der Rheinbrücke zu einem positiven Ergebnis, heißt es aus Mainz. Die Brücke sei visuell akzeptabel, laute die Kernaussage. Trotz dieses Gutachtens will Schumacher mit Blick auf die Erfolgsaussichten in Brasilia „den Ball flach halten“. Entscheidend sei am Ende, was im Protokoll der Sitzung stehe: „Möglich ist alles.“ Auch wenn der „worst case“ eines Neins zu der Brücke eintrete: „Der Erhalt des Welterbeprädikats ist uns wichtiger als die Brücke.“

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