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Weltfrauentag : Vom Frauen- zum Gendertag

In Hamburg haben Parteien, Gewerkschaften und Frauenrechtsorganisationen zu Protesten für mehr Gleichberechtigung aufgerufen. Bild: dpa

Der Weltfrauentag scheint ein Thermometer für Demokratie geworden zu sein – gemessen an der Paritätsdebatte. Dabei geht es am achten März längst nicht mehr nur um die Gleichberechtigung der Frau, sondern um Genderpolitik.

          Die Frauen müssen aufpassen, dass ihnen der Weltfrauentag nicht aus der Hand geschlagen wird. Denn es geht an diesem Tag längst nicht mehr nur um Frauen, sondern, wie in Hamburg, um „Frauen, Lesben, nicht-binäre, trans und inter Personen“, sprich: um Genderpolitik, in der die Gleichberechtigung der Frauen ein Punkt unter vielen ist – und nur, wenn am Ende nicht Gerechtigkeit, sondern Gendergerechtigkeit steht.

          Dagegen zu argumentieren, ist gerade für Frauen schwierig, weil es dann sofort hieße, man dürfe eine diskriminierte Gruppe nicht gegen die andere ausspielen. Die meisten Frauen in der Welt haben allerdings andere Probleme als die identitätspolitischen Komplexe westlicher Intellektueller: sexuelle und ökonomische Ausbeutung, religiös motivierte Unterdrückung, die „gläserne Decke“, im Westen mittlerweile aber auch die Benachteiligung durch den Frauentag – denn welche Frau würde an diesem Tag gefeiert, die „nur“ Mutter sein will und auf Karriere pfeift?

          In Deutschland ist derzeit das beherrschende Thema die Gleichstellung der Frauen in den Parlamenten. Auch das ist nicht nur eine Fortschreibung der Frauenbewegung. Wer es gut findet und wem es wichtig ist, dass die Grünen sich in der Repräsentanz von Frauen wesentlich besser anstellen als alle anderen Parteien, der sollte keine Schwierigkeit haben, das in Wahlen zum Ausdruck zu bringen – so funktioniert demokratischer Wettbewerb. Stattdessen lassen sich Männer und Frauen in der Paritätsdebatte eine verquere Genderlogik aufzwingen, die besagt: Nicht einmal in der Biologie gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, aber sie sind dann doch so grundverschieden, dass Demokratie nur aus Parität bestehen kann.

          Auch um diesen Punkt – der Frauentag ist insofern ein Thermometer der Demokratie – ordnet sich die deutsche Parteienlandschaft neu. Die Grünen stehen der „Männerpartei“ AfD gegenüber, dazwischen CDU, CSU, FDP und SPD, denen es immer schwerer fällt, Brücken zu bauen, nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen Genderabsolutismus, Feminismus und den Frauen, die sich weder dem einen noch dem anderen verschreiben wollen. Ob und wie Brückenbau gelingen kann, wird man an Annegret Kramp-Karrenbauer sehen. Die ersten Aktivistinnen runzeln schon die Stirn, weil deren Feminismus nichts mit Genderpolitik zu tun hat. Deshalb gilt die CDU-Vorsitzende plötzlich schon als „konservativ“.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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